Rezessionssignale am Anleihenmarkt

Braut sich am Bondmarkt etwas zusammen?

GoldGeldWelt Redaktion - 06.06.2024

Das Momentum an den Aktienmärkten ist ungebrochen. Der Bondmarkt dagegen scheint etwas zu sehen, was die meisten noch nicht auf dem Schirm haben. Die Rezessionssignale in den USA haben sich in den vergangenen Wochen verstärkt.

Steht die US-Wirtschaft vor einer Rezession? Die Hinweise darauf mehren sich jedenfalls. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) des Institute for Supply Management lag im Mai bei 48,7 Punkten und damit unter dem Wert von 49,2 im April.

Die von FactSet befragten Ökonomen hatten einen Wert von 49,7 erwartet. Der Index für die Auftragseingänge, der die künftige Nachfrage abbildet, lag im Mai bei 45,4 und damit schlechter als der Wert von 49,1 im April.

US-Konjunktur: Zinsen und klamme Konsumenten drücken Fertigungssektor

Der Fertigungsektor kämpft mit weiter hohen Zinsen und schwachen Konsumausgaben. Gerade letztere werden zur konjunkturellen Achilles-Ferse der USA. Laut Daten vom vergangenen Freitag ging das verfügbare Einkommen nach Berücksichtigung der Inflation im April gegenüber dem Vormonat um 0,1% zurück – der zweite Rückgang innerhalb von drei Monaten. Die Sparquote der Verbraucher lag im April und März bei 3,6 % - der niedrigste Stand seit Dezember 2023.

(Nicht nur) die Federal Reserve von Atlanta erwartet für das zweite Quartal ein deutlich schwächeres Wachstum als noch vor einiger Zeit prognostiziert. Während sich der Aktienmarkt aber nicht zu stören scheint, sendet der Bondmarkt erste Warnsignale.

So ist die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen in den letzten Tagen deutlich gefallen. Lag die Rendite am 31. Mai noch bei 4,56 %, waren es am Mittwochabend lediglich 4,28 %. Der deutliche Rückgang am Montag war der stärkste innerhalb eines Handelstages seit dem vergangenen Jahr. Erstmals seit März notiert die zehnjährige Rendite unterhalb ihres 200-tägigen gleitenden Durchschnitts.

Die jüngsten Kursbewegungen am Bondmarkt lassen vermuten, dass viele Markteilnehmer eine Rezession erwarten. Diese würde die US-Notenbank zu Zinssenkungen zwingen. In einem solchen Umfeld wäre das aktuelle Zinsniveau am längeren Ende attraktiv.

Zinsstruktur weiter stark invers

Und hier erscheint das nächste Indiz: Die Zinsstrukturkurve. Denn auch diese befindet sich im Rezessionsmodus. Seit fast zwei Jahren – so lang wie noch nie – liegt die Rendite der zehnjährigen Anleihen unter der Rendite zweijähriger Anleihen.

Analysten verweisen oft darauf, dass die US-Regierung neue Schulden gezielt über kurzfristige Bonds aufnimmt und dadurch deren Preis durch ein großes Angebot drückt. Doch gerade in den letzten Handelstagen hat das Rezessionssignal der inversen Zinsstruktur noch einmal deutlich zugelegt.

Dabei hat die US-Notenbank noch keine Bereitschaft zu baldigen Zinssenkungen durchblicken lassen. Die Währungshüter wollen zunächst die Inflation wieder mit dem 2 % Ziel in Einklang bringen. Die Kerninflation lag jedoch im April bei 2,8 % und damit deutlich über diesem Ziel.

Schwenkt die Fed von Inflation zu Konjunktur um?

Die Fed hat deshalb bislang auch keine Zinssenkungen in nächster Zukunft in Aussicht gestellt. Zinsschritte werden für das späte dritte, zunehmend aber auch erst für das vierte Quartal erwartet.

Der Bondmarkt erwartet offensichtlich einen Prioritätenwechsel in der Notenbank, der die die Konjunktur anstelle der Teuerung in den Fokus rückt.

Damit dürften die Notenbanker bei vielen Marktteilnehmern offene Türen einrennen. „Wir haben immer wieder darauf gepocht, dass die Fed sich zu sehr auf die Inflation konzentriert und die Abschwächung der US-Wirtschaft übersehen hat“, schrieb Andrew Brenner von NatAlliance Securities.

Eine Zinssenkung im Juni erwarten die Marktteilnehmer laut FedWatch Tool der CME zu fast 99 % nicht. Für die Zinssenkung im Juli rechnen 80,5 % nicht mit einer Zinssenkung. Für den folgenden Termin im September gehen dagegen 57,2 % von einer Zinssenkung um 25 Basispunkte aus.

Dass die Leitzinsen in den USA bis November nicht sinken, erwarten weniger als 20 %. Der Anleihemarkt könnte gerade damit beginnen, einen schnelleren und stärkeren Zinssenkungszyklus einzupreisen.

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