Bank of America

Investitionszurückhaltung bei Minenbetreibern gefährdet Umweltziele

GoldGeldWelt Redaktion - 24.06.2022

Minenunternehmen wie Rio Tinto, BHP und Co. investieren zu wenig, um die hochgesteckten Ziele im Bereich erneuerbare Energien und Elektromobilität erreichen zu können. Bei vielen kritischen Metallen drohen globale, langanhaltende und kaum zu schließende Lücken.

Das Wall Street Journal berichtet über eine Analyse der Bank of America (BoA). Das zentrale Ergebnis: Die Preise für Metalle sind drastisch gestiegen, aber Bergbauunternehmen erhöhen ihre Investitionen nicht im entsprechenden Umfang.

Die Zurückhaltung bei Investitionen in neue Minenprojekte könnte das Angebot verknappen und damit die Versorgungssituation bei gefragten Rohstoffen wie Kupfer und Zink noch verstärken. Diese Rohstoffe sind für die politisch geplante Umstellung der Energieversorgung weg von fossilen Brennstoffen entscheidend.

Investitionen in Höhe von 160 Milliarden USD pro Jahr notwendig

Die Analysten der Bank of America gehen davon aus, dass Bergbauunternehmen wie Rio Tinto (WKN: 852147, ISIN: GB0007188757) und BHP (WKN: 850524, ISIN: AU000000BHP4) pro Jahr 160 Milliarden USD investieren müssen, um die Energiewende zu beschleunigen. Die gesamten globalen Investitionen in den Bergbau lagen in den letzten zehn Jahren durchschnittlich jedoch bei lediglich rund 100 Milliarden USD jährlich.

Die zehn größten Bergbauunternehmen werden laut Bank of America in diesem und im nächsten Jahr rund 40 Milliarden USD investieren. Die Investitionsausgaben liegen damit nur halb so hoch wie im Jahr 2012, als 80 Milliarden USD investiert worden.

Für die Zurückhaltung der Unternehmen gibt es Gründe. Zum einen schütten Bergbauunternehmen durch Dividenden und Aktienrückkaufprogramme gerne Geld an ihre Investoren aus. Doch auch die hohen Umweltauflagen, wachsende gesellschaftliche Proteste und schleppende Genehmigungsverfahren bereiten Minenunternehmen Probleme.

Kosten der Energiewende steigen mit den Metallpreisen

Die Kosten Energiewende steigen  mit den Metallpreisen. So haben die Kursanstiege bei Kupfer und Eisenerz auch die Preise für Solarmodule ud Windturbinen angetrieben. Ähnlich verhält es sich im Bereich von Batterien, die Lithium und Kobalt benötigen. Seit geraumer Zeit übersteigt die Nachfrage das Angebot deutlich – mit der Konsequenz drastisch steigender Preise.

Richard Adkerson, Chief Executive des Kupferminenunternehmens Freeport-McMoRan Inc. (WKN: 896476, ISIN: US35671D8570) berichtete kürzlich, dass sich derzeit angebotsverknappende Faktoren häuften. Dazu gehörten etwa steigende Finanzierungskosten infolge der Zinswende, höhere Ausgaben für Energie und wachsende Herausforderungen bei der Entwicklung von Projekten insbesondere in Schwellenländern.

In vielen wichtigen Rohstoffländern wachsen die politische Risiken. So kam es in Mexiko etwa zu Verstaatlichungen, die in Chile ebenfalls diskutiert werden. Rio Tinto musste Anfang des Jahres den Entzug der Lizenz für ein Projekt in Serbien hinnehmen. Gegen das 2 Milliarden USD Projekt hatte es Proteste wegen möglicher Umweltschäden gegeben. Zahlreiche Startups in den USA kämpfen teilweise seit den 90er Jahren – um die Genehmigung von Projekten.

Die Ertragssituation der großen Bergbauunternehmen ist dagegen kein Grund für die Zurückhaltung. Vor allem die Akteure mit starker Marktposition können im aktuellen Umfeld hohe Gewinne einfahren. Zuletzt berichteten etwa Glencore (WKN: A1JAGV, ISIN: JE00B4T3BW64) und Trafigura über ausgesprochen starke Ergebnisse.

Werden Autohersteller zu Minenbetreibern?

Autohersteller versuchen - vor allem im Hinblick auf Lithium - Direktverträge mit Produzenten abzuschließen. Unter anderem General Motors und Tesla haben solche Maßnahmen bereits umgesetzt. Auch die deutschen Autobauer arbeiten an entsprechenden Verträgen.

Reichen wird dies nach Ansicht der meisten Branchenbeobachter jedoch nicht. Manche Analysten empfehlen Autoherstellern sogar, direkt in die Lieferkette zu investieren und gewissermaßen selbst zum Bergbauunternehmen zu werden. Einen ähnlichen Gedanken hatte vor einigen Wochen Tesla CEO Elon Musk in den Raum gestellt.

BGR: 2030 droht Lithiumlücke von bis zu 300.000 t

Wie groß der langfristige Nachfrageüberhang bei kritischen Rohstoffen ist, zeigt eine neue Analyse der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), über die in dieser Woche das Handelsblatt berichtete.

Studienautor Michael Schmidt stellte klar, dass es 2030 selbst dann nicht genug Lithium geben werde, wenn  alle aktuell geplanten und im Bau befindlichen Projekte innerhalb des Zeitplans umgesetzt werden.

Demnach wächst die Nachfrage nach Lithium bis 2030 auf 316.000-550.000 t jährlich. 2020 belief sich das Angebot auf  82.000 t. 90 % des veredelten Rohstoffs werden für die Produktion von Lithium-Ionen Akkus benötigt.

Unter Berücksichtigung der Steigerung des Angebots durch neue Projekte werden im Jahr 2030 laut BGR Szenario im schlechtesten Fall 300.000 t Lithium pro Jahr fehlen. Selbst im besten Fall beläuft sich die Lücke immer noch auf 90.000 t – mehr also, als 2020 überhaupt produziert wurde.

 

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