Aktuelle Studie

Gesetzliche Krankenversicherung: Riesige Leistungskürzungen voraus?

GoldGeldWelt Redaktion - 30.08.2023

Keine zahnmedizinischen Leistungen mehr und ein jährlicher Selbstbehalt von 1.800 EUR: Das sind nur zwei Maßnahmen, die eine aktuelle Studie zur Sanierung der Gesetzlichen Krankenversicherung vorschlägt.

Die Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung wurden bereits erhöht - dennoch bedeuten monatliche Zuzahlungen von durchschnittlich 2.500 EUR für viele Betroffene den Gang zum Sozialamt. Im kommenden Jahr könnten bereits höhere Beiträge in der GKV drohen.

Professor Bernd Raffelhüschen von der Stiftung Marktwirtschaft warnt deshalb anlässlich des Berichts „Generationenbilanz 2023“:  „Unsere Berechnungen zeigen, dass wir die Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherung nicht aufrechterhalten können, ohne die Beitragszahler zu überfordern“. 

Selbstbehalt von 1.800 EUR und Streichung der Zahnmedizin

Zusammen mit seinem Forscherteam hat Raffelhüschen auch schon ein Reformprogramm entwickelt. In der GKV sieht dieses einen absoluten jährlichen Selbstbehalt für ambulante Leistungen und Arzneimittel in Höhe von 1.800 EUR und die Ausgliederung aller zahnärztlichen und zahntechnischen Leistungen vor. Außerdem soll der Kostendruck im stationären Sektor durch „wettbewerbliche und ordnungspolitische Regeln“ reduziert werden.

In der Pflegeversicherung soll ein Nachhaltigkeitsfaktor eingeführt werden, „der die Dynamisierung der Leistungen unter Berücksichtigung des Verhältnisses von Pflegebedürftigen zu Beitragszahlern steuert“. Konkret: „Erhöht sich dieses Verhältnis im Zuge des demografischen Wandels, würden die Leistungen der Pflege langsamer als die allgemeine Produktivität wachsen.“

Die Gesamtausgaben der GKV (abzugrenzen von den reinen Leistungsausgaben) beliefen sich 2021 auf 285 Mrd. EUR. 2011 waren es noch 180 Mrd. EUR. Der Anteil der reinen Leistungsausgaben (ohne Verwaltungskosten) am BIP lag im vergangenen Jahr bei 7,10 %.

IKK-Chef: System schon jetzt an seinen Grenzen

Aufgrund der demographischen Entwicklung werden weitere Kostensteigerungen befürchtet. Ralf Hermes, der Chef der gesetzlichen IKK-Innovationskasse mit rund 300.000 Versicherten, äußerte bereits im Juni gegenüber Medien: „Die steigenden Gesundheitsausgaben bringen das System schon jetzt an seine Grenzen“. Auf lange Sicht sei bei den Ausgabensteigerungen „keine Trendumkehr“ in Sicht.

Neben Ausgabenkürzungen kommen weitere Maßnahmen zur Deckung der Kosten in Betracht: Etwa höhere Beiträge oder höhere Beitragsbemessungsgrenzen. Auch höhere staatliche Zuschüsse – und sei es verkappt über eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Medikamente und höhere Zahlungen für die Versicherungen von ALG-Empfängern – sind denkbar. Eine Kombination aus diesen Maßnahmen ist für die kommenden Jahre die wohl wahrscheinlichere Option als eine große Gesundheitsreform.

Größere GKV-Leistungskürzungen liegen schon länger zurück

Leistungskürzungen in der GKV wären keine Neuheit, wenngleich die letzten größeren Kürzungen schon eine Weile zurückliegen. So gab es nach einer Zusammenstellung der nach eigenen Angaben unabhängigen Finanzberatung Dr. Schlemann seit 1982 fast ein Dutzend Gesetze, die zu eingeschränkten Leistungen führten oder anderweitige Nachteile für Versicherte bedeuteten.

Beispiele für Leistungskürzungen in der Vergangenheit waren etwa höhere Eigenbeteiligungen im Krankenhaus, die Einführung der Praxisgebühr, höhere Zuzahlungen für Arzneimittel oder die Streichung der Erstattung ambulanter Fahrtkosten.

„Nachhaltigkeitslücke“ bei 17,3 Billionen EUR

Die „Stiftung Marktwirtschaft“ berechnet regelmäßig die sogenannte „Nachhaltigkeitslücke“. Diese misst die Gesamtverschuldung der öffentlichen Haushalte – und zwar nicht nur die explizite, sondern auch die implizite Verschuldung. Letztere „spiegelt die bereits erworbenen und bei Fortführung des Status quo noch entstehenden, aber durch das aktuelle Steu­er- und Abgabenniveau nicht gedeckten Ansprüche heutiger und zukünftiger Generationen gegenüber dem Staat wider“, erläutert die Stiftung auf ihrer Homepage.

Die impliziten Staatsschulden belaufen sich auf 381,5 % des BIP. Zusammen mit den expliziten Staatsschulden (66,3 %) beläuft sich die Gesamtverschuldung der öffentlichen Hand auf 447,8 % des BIP bzw. 17,3 Billionen EUR.

 

Weitere relevante Beiträge zu diesen Themen finden Sie unter  Versicherungen  und  Deutschland .

SCHUFA Kreditkompass

Überschuldung durch Buy Now Pay Later: „Nur die Spitze des Eisbergs“

Ratgeber

Nischeninvestment Hybridanleihen: Zweistellige Renditen sind drin

Seltene Erden

Seltene Erden: Diese Aktien könnten vom Mangel profitieren

Hinweis auf mögliche Interessenskonflikte

Die hier angebotene Berichterstattung stellt keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlung von Wertpapieren dar und ist weder explizit noch implizit als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die Munsch International LTD und ihre Autoren schließen jede Haftung diesbezüglich aus. Die Berichterstattung dient ausschließlich der Leserinformation und stellt zu keinem Zeitpunkt eine Handlungsaufforderung dar. Zwischen der Munsch International LTD und den Lesern der von ihr veröffentlichten Artikel entsteht keinerlei Beratungsverhältnis. Die Berichterstattung bezieht sich lediglich auf die jeweils genannten Unternehmen, nicht aber auf eine individuelle Anlageentscheidung. Laut §34b WpHG möchten wir darauf hinweisen, dass Partner, Autoren, Mitarbeiter und sonstige Bekannte der Munsch International LTD Wertpapiere der jeweils angesprochenen Unternehmen halten können und den Handel mit diesen Wertpapieren beabsichtigen, wodurch ein Interessenskonflikt bestehen kann. Ferner kann zwischen den hier erwähnten Unternehmen und der Munsch International LTD ein Beratungs- oder sonstiger Dienstleistungsvertrag bestehen oder bestanden haben, womit ebenfalls ein Interessenkonflikt besteht. Da wir zu keinem Zeitpunkt ausschließen können, dass auch andere, Medien, Research- und Börseninformationsdienste die von uns erwähnten Werte im gleichen Zeitraum besprechen, kann es zu einer symmetrischen Informations- und Meinungsgenerierung kommen. Eine Veränderung, Verwendung oder Reproduktion dieser Publikation ohne eine vorherige schriftliche Zustimmung von der Munsch International LTD ist untersagt. Bitte lesen Sie auch unsere vollständigen AGB und Disclaimer.

Top informiert, clever investiert

Über 150.000 Leser kennen GoldGeldWelt. Erhalten Sie kostenfrei die neusten Artikel aus der Redaktion und zeitkritische Informationen zu Aktien unserer Watchlist.

Durch Klick auf die Schaltfläche erklären Sie sich mit unseren AGB und Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Folgen Sie uns auf Social Media
Starke Zahlen

Berkshire Hathaway Aktie auf Allzeithoch: Jetzt ein Kauf?

Nach Schwächephase

BP Aktie: Startet nach Rückkehr zu Öl und Gas jetzt die Aufholjagd?

Gewinnen mit Goldaktien

Der Masterplan für ein erfolgreiches Investment in Goldaktien und Rohstoffaktien. Lernen Sie in diesem exklusiven Spezialreport welche 10 Punkte Sie unbedingt beachten müssen bevor Sie investieren:

Hier Ebook als PDF downloaden