EU-Exporte sinken kriegsbedingt

Agrarrohstoffe: Afrika wittert in der Krise seine Chance

GoldGeldWelt Redaktion - 27.01.2023

Afrika sieht in der Krise eine Chance. Da Nahrungsmittellieferungen in Folge des Ukrainekriegs ausbleiben, könnte die heimische Produktion ausgebaut werden. Einige Länder haben längst auf die ausbleibenden Getreidelieferungen reagiert und werden schon in diesem Jahr zu Exporteuren.

Der Ausbruch des Kriegs in der Ukraine war für die internationalen Getreidemärkte ein Extremereignis. Russland und die Ukraine gehören zu den wichtigsten Produzenten vieler Agrarrohstoffe. Plötzlich drohten große Produktionsmengen auszufallen und Lieferketten kriegsbedingt unterbrochen zu werden.

Die schlimmsten Szenarien sind nicht eingetreten: Der Druck auf die globalen Preise hat etwas nachgelassen. Insbesondere nordafrikanische Länder wie Ägypten, Algerien und Tunesien sowie Subsahara-Staaten wie Nigeria oder Kenia litten jedoch unter einem knappen Angebot und kurzzeitig steigenden Preisen.

Äthiopien exportiert in diesem Jahr Agrarrohstoffe

Die Kommissarin für Landwirtschaft der Afrikanischen Union, Josefa Sacko, will in der Krise eine Chance sehen. Im Interview mit dem Magazin Euraktiv warnte sie, Nahrungsmittelknappheit und hohe Preise seien für viele afrikanische Länder sozialer Sprengstoff. Afrika sei sehr anfällig für solche Konflikte. Sacko verwies dabei auf den arabischen Frühling in Ägypten im Jahr 2010, der initial durch hohe Preise für Agrarrohstoffe und damit Nahrungsmittelpreise ausgelöst wurde.

Die temporären Importausfälle infolge des Kriegs bieten Sacko zufolge jedoch die Chance, die landwirtschaftliche Produktion in Afrika selbst hochzufahren und Importe dadurch zu ersetzen. Sie appellierte an die Politik, ihre Sichtweise und Herangehensweise zu ändern und verwies auf Äthiopien.

Das Land habe im letzten Jahr bei Kriegsbeginn die Weizenproduktion ausgeweitet und werde bereits in diesem Jahr in der Lage sein, das Getreide zu exportieren. Aktuell bezahle Afrika pro Jahr 45 Milliarden USD für den Import von Agrarrohstoffen. Dieses Geld solle besser in die Entwicklung der heimischen Produktion fließen.

Afrikanische Agrarrohstoffe günstiger als EU Importe

In der U gibt es seit Kriegsausbruch Bestrebungen, die Nahrungsmittelproduktion zu steigern – gerade im Hinblick auf die Versorgung Afrikas.

Ausgerechnet der Grüne Cem Özdemir etwa schlug kürzlich vor, bis 2030 im Verkehrssektor auf Kraftstoffe aus Anbaubiomasse zu verzichten. Die Pflanzen sollten der menschlichen Ernährung dienen.  (Im EEG-Gesetz aus dem Jahr 2000 waren durch die damalige rot-grüne Koalition erstmals Subventionen für Strom aus Biomasse eingeführt worden. Für den Anbau von Energiepflanzen wird heute rund ein Fünftel der deutschen Ackerfläche verwendet).

Sacko betonte, es sei Europas gutes Recht, seine Agrarrohstoffe zu exportieren. Sobald die Produktion in Afrika jedoch gesteigert werde, könnten die afrikanischen Länder ihre Produkte zu günstigen Preisen anbieten als die europäischen Konkurrenten.

Die Afrikanische Union ermutigt deshalb Sacko zufolge ihre Mitglieder zur Ausnutzung des landwirtschaftlichen Potenzials. Sie fügte hinzu, dass 60 % der Ackerflächen auf dem Kontinent bisher ungenutzt seien – dementsprechend weitreichend könne die Produktion von Agrarrohstoffen gesteigert werden. „Wir haben das Ökosystem, um Afrika zu ernähren und die Welt zu ernähren.“

Afrikanische Bauern fürchten hohe EU-Umweltstandards

Das in Zukunft afrikanische Agrarrohstoffe in großem Stil  nach Europa exportiert werden, ist jedoch noch nicht abzusehen. Viele Landwirte in Afrika sorgen sich um die Lebensmittelpolitik der EU, die immer höhere Standards in den Bereichen Tierschutz und Nachhaltigkeit setzt. Bislang gelten diese Standards nur für die Produktion in EU-Mitgliedstaaten. Immer mehr Stimmen fordern jedoch, die Standards auch auf Importe von Agrarrohstoffe aus Drittstaaten anzuwenden.

Vor allem kleinere landwirtschaftlichem Betriebe des afrikanischen Kontinents können die Anforderungen absehbar nicht erfüllen. Sacko betonte zwar, dass Standards für grenzüberschreitende Märkte notwendig seien. „Aber wir wollen auch ein Mitspracherecht bei der Preisgestaltung haben. Derzeit werden dabei nicht einmal die Produktionskosten berücksichtigt.“

Bloomberg Index für Agrarrohstoffe: Seit 2020 im Aufwärtstrend

Ein Indikator für die Preise von Agrarrohstoffen auf den internationalen Märkten ist der Bloomberg Agriculture Subindex. Der in US-Dollar notierte Korb basiert auf Terminkontrakten auf Kaffee, Mais, Baumwolle, Sojabohnen, Sojaöl, Sojabohnenmehl, Zucker und Weizen.

Tatsächlich gab es nach Kriegsausbruch einen deutlichen Anstieg von etwa 67 auf bis zu 77 Punkte. Doch dieser Anstieg wurde im weiteren Jahresverlauf weitgehend korrigiert. Allerdings befindet sich der Index seit 2020 in einem Aufwärtstrend. Mitte 2020 lag der Agrarrohstoffindex noch bei gut 34 Punkten – aktuell sind es rund 69 Punkte.

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