Geldpolitik

EZB erhöht Leitzins, Fed pausiert: Wie lange steigen die Zinsen noch?

GoldGeldWelt Redaktion - 15.06.2023

In den USA und Europa steigen die Zinsen. Marktteilnehmer erwarten am Ende des Zinserhöhungszyklus Zinssätze knapp unter 6 %. Die Inflationsgefahren sind noch nicht gebannt.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag den Leitzins für die Eurozone wie von den Marktteilnehmern weitgehend erwartet um 50 Basispunkte auf nun 4,0 % erhöht. Der Zinssatz für Einlagen von Geschäftsbanken wurde auf 3,5 % erhöht. Es handelte sich um die achte Zinserhöhung in Folge.

Einen Tag zuvor hatte die US-Notenbank Federal Reserve ihren Leitzins unverändert in der Spanne von 5,0-5,25 % belassen. Hier gab es bei den Marktteilnehmern ein gewisses Maß an Unsicherheit. Manche hatten mit einer weiteren Zinserhöhung gerechnet, andere eine Zinspause angenommen.

Lagarde lässt weitere Zinserhöhung durchblicken

EZB-Präsidentin Christine Lagarde ließ durchblicken, dass weitere Zinserhöhungen folgen werden. „Wir denken nicht an eine Pause“, sagte Lagarde. Sofern es keine wesentliche Änderung der Basisprognosen gebe, würden die Zinssätze im Juli erneut angehoben. Diese sehr deutliche Aussage überraschte die Anleger ein Stück weit, was sich an einem etwas festeren Euro bemerkbar machte.

Die Inflation in der Eurozone war zuletzt von 7,0 % im April auf 6,2 % im Mai zurückgegangen. Im März lag die Teuerung bei 6,9 %. Die Kerninflation lag im Mai bei 5,3 % nach 5,6 % im April. Damit lag die um Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak bereinigte Inflationsrate in der Eurozone rund 20 Basispunkte höher als durch die meisten Analysten erwartet.

Daten von Refinitiv zufolge erwarten Anleger in den kommenden Monaten ein bis zwei weitere EZB Zinserhöhungen. Ab Anfang des kommenden Jahres sind Zinssenkungen eingepreist.

Auch die Fed ist noch nicht am Ende der Zinserhöhungen angelangt

Auch in den USA werden nun weitere Zinserhöhungen erwartet. Nach nunmehr zehn aufeinanderfolgenden Zinserhöhungen sind für das laufende Jahr zwei weitere Anhebungen geplant. Sofern diese wie von den Märkten erwartet auf jeweils 25 Basispunkte lauten, würden die Leitzinsen in USA so hoch steigen wie seit 22 Jahren nicht mehr.

In den USA war die Inflationsrate im Mai deutlich auf 4,0 % gesunken. Doch die Kerninflation stieg mit 5,3 % deutlich stärker, wenn auch nicht ganz so stark wie im April mit 5,5 %. Damit liegt der US-Leitzins immer noch nicht nach jeder möglichen Interpretation über der Teuerungsrate – ein Ziel, das auch von der Notenbank selbst einmal formuliert wurde.

Refinitiv-Daten zufolge rechnen Marktteilnehmer mit einer weiteren Zinserhöhung um 25 Basispunkte bis September. In den dann folgenden zwölf Monaten sollen die Zinsen um 1,5 Prozentpunkte sinken.

Inflation noch nicht besiegt

Sowohl in den USA als auch in Europa verfehlen die Notenbanken ihr Inflationsziel von rund 2 % nach wie vor deutlich. Die Inflation ist noch lange nicht besiegt, auch wenn Preisrückgänge an den Immobilienmärkten und zum Teil leicht steigende Arbeitslosigkeit gemeldet werden.

Auch deshalb hatten zuletzt die Zentralbanken Australiens und Kanadas erneut die Zinsen angehoben – nachdem zuvor eine Zinspause als angemessen betrachtet worden war. In Großbritannien werden nun fünf weitere Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte erwartet. Der Leitzins im Vereinigten Königreich würde dann bei 5,75 % liegen – etwa auf diesem Niveau könnten sich auch die US-Leitzinsen im Herbst bewegen, falls es zwei Zinserhöhungen geben sollte.

Noch gibt es zu viele Risiken im Hinblick auf eine sich einstellende Lohn-Preis-Spirale. So hat sich das Lohnwachstum in den USA und Europa auf einem hohen Niveau stabilisiert, ohne aber klare Indizien für einen Rückgang zu zeigen.

In China indes hat Zentralbank den Leitzins gesenkt. Der Grund dafür waren schwache Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten. Die chinesische Regierung will die Wirtschaft darüber hinaus mit einem Stimulationsprogramm wieder in die Spur bringen. Geplant sind unter anderem ein Infrastrukturprogramm über viele Milliarden Dollar und Anreize für den Kauf von Immobilien.

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