Konsequenzen für Kreditnehmer

USA: Zinsen steigen auf langjährige Hochs

GoldGeldWelt Redaktion - 24.08.2023

Die Zinsen für US-Staatsanleihen sind auf das höchste Niveau seit 2008 gestiegen. Das von vielen Analysten längst beschworene Ende der Hochzinsphase will sich nicht einstellen. Auf dem Immobilienmarkt sinken die Volumina, Autokredite platzen immer häufiger. Die US-Regierung zahlt für die steigenden Zinsen in etwa so viel wie für den Inflation Reduction Act insgesamt.

Die jüngste Zinsentwicklung in den USA lässt aufhorchen. Zum einen sind die Renditen von Staatsanleihen deutlich gestiegen. Die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen stieg in den letzten Tagen auf mehr als 4,3 % und erreichte damit den höchsten Stand seit 2007. Die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen erklomm mit einem Anstieg auf 4,411 % immerhin ein 12-Jahres-Hoch.

Renditen von US-Bonds so hoch wie zuletzt 2007

Die Entwicklung schlägt direkt auf den Markt für Hypothekenkredite durch. Darlehen mit 30 Jahren Laufzeit kosteten in der vergangenen Woche 7,09 % und damit so viel wie seit 20 Jahren nicht mehr. Sowohl bei Staatsanleihen als auch bei Pfandkrediten lässt sich damit ein Richtungswechsel der Märkte erkennen: Der zwingende Glaube an bald wieder sinkende Zinsniveaus verflüchtigt sich.

Dabei sprechen mehrere Gründe für noch weiter steigende Renditen. Zum einen liegen die Zinsen am langen Ende noch immer deutlich unter denen für kurzfristige Anleihen. Bei sechs Monaten Laufzeit liegt der Zinssatz z. B. bei ca. 5,5 %, bei zwei Jahren bei 5 %. Eine Normalisierung der Zinskurve ohne Zinssenkungen am kurzen Ende müsste deshalb mit deutlich steigenden Anleiherenditen im längeren Laufzeitbereich einhergehen.

Zum anderen spricht auch das mittelfristige Verhältnis von Angebot und Nachfrage am Bondmarkt für weiter sinkende Kurse. Das Finanzministerium konnte sich aufgrund des politischen Streits um die US-Schuldenobergrenze im ersten Halbjahr kaum Geld am Markt leihen – und muss im laufenden Quartals Emissionen von 1 Billion USD platzieren. Dass der Markt zu den aktuellen Kursen hinreichende Aufnahmefähigkeit besitzt, wird zunehmend bezweifelt.

US-Finanzministerium muss 1 Bio. USD platzieren

Die US-Notenbank Federal Reserve fällt als Käufer mittlerweile aus – die Notenbank wirft stattdessen netto selbst Papiere auf den Markt. Die Hoffnungen vieler Marktteilnehmer richten sich nun auf ein baldiges Ende des Zinserhöhungszyklus. Doch dieses Szenario ist alles andere als sicher.

Die Federal Reserve sieht die Inflation weiter als bedrohlich hoch an, wie aus den in der vergangenen Woche veröffentlichten Sitzungsprotokollen hervorgeht. Sitzungsteilnehmer sehen weiterhin die potenzielle Notwendigkeit weiterer Zinserhöhungen.

Die US-Konjunktur liefert der Fed bislang jedenfalls keine Munition für ein Ende des Quantitative Tightening. Das Arbeitsministerium meldete letzte Woche 239.000 Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung – weniger als Ökonomen erwartet hatten. Walmart berichtete über Umsatzsteigerungen.

Dennoch machen sich die steigenden Zinsen längst bemerkbar – allen voran auf dem Immobilienmarkt. Die Aktivität ist hier deutlich zurückgegangen. Das Maklerunternehmen Redfin aus Seattle – in 100 Städten in den USA und Kanada präsent – etwa berichtet über ein deutlich geschrumpftes Angebot.

Sorgen um mehr Kreditausfälle

Potenzielle Verkäufer scheuen den Markt und fürchten, keine attraktiven Preise erzielen zu können oder wollen ihre günstigen Hypothekenkredite aus der Vergangenheit nicht aufgeben. Potenzielle Käufer dagegen können ihre eigenen Ansprüche aufgrund der höheren Zinsen oft nicht erfüllen.

Den US-Banken drohen Verluste durch platzende Immobilienkredite. Die Regierung hat im Juli Pläne für höhere Kapitalanforderungen bei Hypothekenkrediten vorgestellt. Dies führt dazu, dass Banken die Zinsen weiter erhöhen und versuchen, niedriger verzinste Kredite aus der Vergangenheit auf dem Mortgage-Backed Securities (MBS) abzustoßen.

Auch am Markt für Autokredite machen sich die höheren Zinsen bemerkbar. Der Anteil der Darlehen, dies seit mindestens 60 Tagen im Verzug sind, stieg zuletzt auf 5,37 %. Zum Vergleich: 2009 waren es 4,58 %.

Auch für die US-Regierung wird das hohe Zinsniveau zu einem Problem – zwar schleichend, aber mit Durchschlagskraft. Im Januar 2022 musste der Staat noch durchschnittlich 1,56 % Zinsen auf seine ausstehenden Verbindlichkeiten zahlen. Im Juli waren es bereits 2,84 %.

Bei Gesamtstaatsschulden von 32,7 Billionen USD führt ein Anstieg der durchschnittlichen Verzinsung um 128 Basispunkte zu höheren Zinskosten von 418,5 Mrd. USD pro Jahr. Zum Vergleich: Der in diesen Tagen vieldiskutierte Inflation Reduction Act sieht über die gesamte Laufzeit hinweg Ausgaben in Höhe von 369 Mrd. USD in den Bereichen Energiesicherheit und Klimawandel vor.

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