Zentralbank der Zentralbanken

BIS-Präsident: Inflationsbekämpfung „schwieriger und länger“

GoldGeldWelt Redaktion - 08.05.2023

Die Zinsen werden länger hoch bleiben als die Marktteilnehmer es erwarten, weil auch die Inflation sich als hartnäckiger erweisen wird als gedacht. Die Zentralbanken werden auf die Probe gestellt. Das glaubt jedenfalls der Chef der „Zentralbank der Zentralbanken“.

Agustín Carstens, Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), gab vor einigen Tagen der Börsen-Zeitung ein längeres Interview. Ein Blick auf Details der Aussagen lässt Rückschlüsse auf die mögliche geldpolitische Ausrichtung der Zentralbanken in den kommenden Jahren zu.

Carstens hält eine weiche Landung der Weltwirtschaft für möglich. Es gebe aber eine Reihe von Risiken, darunter die hohe Verschuldung in einigen Ländern in Kombination mit den steigenden Zinsen. Die jüngsten Turbulenzen im Bankensektor hätten die Volkswirtschaften nicht entgleisen lassen - auch, weil die Politik entschlossen reagiert habe.

Was sagt die Zentralbank der Zentralbanken zur Inflation?

Die globalen Inflationsraten sind zwar laut Carstens zuletzt deutlich zurückgegangen. Die Kerninflationsraten - also Inflationsraten, bei denen die stark schwankenden Preise für Energie und Nahrungsmittel herausgerechnet werden - seien jedoch weiterhin hoch und stiegen teilweise sogar weiter an.

Carstens zerlegt die Inflation in zwei Ursachen. Die eine Ursache seien temporäre Gründe, wie der Anstieg der Rohstoffpreise, Lieferkettenprobleme und Folgen der Pandemie. „Der jüngste Inflationsrückgang ist hauptsächlich auf das Nachlassen vorübergehender Faktoren zurückzuführen. Diese erste Phase des disinflationären Prozesses verlief relativ schnell und einfach. Jetzt befinden wir uns mitten in der zweiten Phase dieses Prozesses.“

Diese zweite Phase ist durch Inflation gekennzeichnet, die auf länger anhaltende Gründe zurückgeht - insbesondere die aggressive Stimulierung der Gesamtnachfrage durch die Fiskal- und Geldpolitik während und nach der Pandemie.

Die Geldpolitik müsse nun die Nachfrage dämpfen. Das sei „viel schwieriger“ und dauere auch länger. Es werde Zeit brauchen, die Inflationsziele wieder zu erreichen. Bislang gebe es viele Unwägbarkeiten. So sei etwa unklar, ob die Maßnahmen der Zentralbanken Glaubwürdigkeit besäßen und sich so positiv auf die Inflationserwartungen auswirkten.

„Glaubwürdigkeit ist wichtige Waffe im Kampf gegen Inflation“

Es könne Entwicklungen geben, die einige an der Entschlossenheit der Zentralbanken zweifeln ließen. „Die Zentralbanken werden gerade auf die Probe gestellt. Sie müssen um ihre Glaubwürdigkeit als Institutionen kämpfen und ihre Fähigkeit beweisen, die Inflation zu senken. Die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken ist eine wichtige Waffe im Kampf gegen eine zu hohe Inflation.“

Die Zentralbanken hatten die Inflation anfangs unterschätzt. Dazu Carstens: „Das war nicht unbedingt gut für die Zentralbanken.“ Es gelte aber auch zu berücksichtigen, dass die Inflation sich ohne Pandemie und Ukrainekrieg „ganz anders“ entwickelt hätte.

Die Notenbanken könnten nun zeigen, warum ihre Unabhängigkeit wichtig sei. Sie dürften nicht zu früh nachgeben und müssten die Inflation weiter entschlossen bekämpfen. Carstens glaubt jedoch, dass „die meisten Zinserhöhungen bereits durchgeführt wurden“. Entscheidend sei jetzt, dass die Notenbanken die Leitzinsen nach Erreichen des Endzinssatzes noch länger hochhielten, wie es zuvor auch kommuniziert worden sei.

Baldige Zinssenkungen „nicht realistisch“

Carstens betont in diesem Zusammenhang, dass viele Marktteilnehmer baldige Zinssenkungen erwarteten - und erteilt dieser Hoffnung eine Absage: „Das halte ich nicht für realistisch.“ Die Inflationskräfte zu dämpfen und eine dauerhaft niedrige Inflationsrate sicherzustellen würde länger dauern.

Neben den Zinserhöhungen sei auch die Reduzierung der Zentralbankbilanzen ein wichtiger Bestandteil der Geldpolitik. Es sei richtig, „die Bilanzen wieder auf eine vernünftige Größe zu bringen“. Notenbanken setzten hier vorwiegend darauf, auslaufende Wertpapieren nicht zu ersetzen. Carstens hält dies für ein „sehr vernünftiges Prinzip“: Nicht die Zentralbank solle neue Schuldtitel aufnehmen, sondern der Markt.

Carstens glaubt nicht, dass Realwirtschaft und Finanzsystem heute hohen Zinsen nicht mehr gewachsen sind. So sei Finanzstabilität nicht nur dadurch gegeben, dass Geldpolitik nicht gestrafft werde. Gerate Inflation außer Kontrolle, stiegen die Realzinsen rapide - mit allen Risiken für das Finanzsystem. Die Fiskalpolitik müsse jedoch generell Inflationsbekämpfung stärker flankieren.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich gilt auch als Zentralbank der Zentralbanken. Sie wurde 1930 gegründet und agiert rechtlich als private Organisation mit dem Rechtsstatus einer spezialrechtlichen (schweizerischen) Aktiengesellschaft. Sitz des Instituts ist Basel. Als internationale Organisation unterliegt die BIZ dem Völkerrecht. Das wichtigste Organ der BIZ ist die jährliche Generalversammlung, an der rund 60 Zentralbanken mit Sitz und Stimme teilnehmen. Mitglieder der BIZ sind zum Beispiel EZB, Federal Reserve, Deutsche Bundesbank, SNB und viele weitere Zentralbanken.

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