Neobroker Robinhood

Broker: Aktienhandel bald rund um die Uhr?

GoldGeldWelt Redaktion - 18.05.2023

Können wir bald rund um die Uhr mit Aktien handeln? Bei Robinhood soll diese Option bereits in den kommenden Wochen zur Verfügung stehen. Ob Anlegern damit gedient ist?

Der US-Broker Robinhood will bereits im kommenden Monat den Handel mit Aktien und ETFs rund um die Uhr ermöglichen. Dann wird es an fünf Tagen der Woche auch nachts möglich sein, mit ausgewählten Aktien und Indexfonds zu handeln.

Konkret will Robinhood den Handel von 20:00 Uhr (Ostküstenzeit) am Sonntag bis 20:00 Uhr am Freitag der Folgewoche ermöglichen. Dies soll zunächst für 43 Wertpapiere möglich sein, darunter die Aktien von Amazon, Apple und Tesla. Bereits in der kommenden Woche soll das Rollout der neuen Funktion starten.

Später sollen weitere Wertpapiere hinzukommen, wie CEO Vlad Tenev in einem Interview in Aussicht stellte. Tenev möchte damit eine Abkehr von den Geschäftszeiten der großen Referenzbörsen einleiten - ein Anliegen, das in der Branche auf großen Zuspruch stößt. An der Wall Street wird seit fast 40 Jahren von 9:30 bis 16:00 Uhr Ortszeit gehandelt.

„Weiterentwicklung des Marktes“

Der 24-stündige Handel sei "der nächste Schritt bei der weiteren Entwicklung des Marktes". Dieser solle rund um die Uhr und "eher wie eine Softwarelösung als eine stationäre Institution" funktionieren. Aktienhandel solle nicht an die Arbeitszeiten an der Ostküste der USA gebunden sein.

Die Einführung des nächtlichen Aktienhandels kann auch als Reaktion auf die zuletzt schwächeren Geschäftszahlen interpretiert werden. Am Mittwoch hatte Robinhood den Bericht für das erste Quartal vorgelegt. Trotz eines Umsatzanstiegs um 47 % lief ein Verlust von 511 Millionen USD auf – der siebte Quartalsverlust in Folge.

Der Aktienhandel rund um die Uhr ist tatsächlich ein neues Angebot. Interactive Brokers – einer der größten Broker im Geschäft – bietet seit April die Möglichkeit des Handels einiger US-Aktien von 20:00 Uhr bis 3:30 Uhr an.

Im Vergleich zu den offiziellen Börsenplätzen gibt es schon lange verlängerte Handelszeiten, sowohl in den USA als auch in Deutschland. In den USA ist der Handel von etwa 4:00 Uhr bis 20:00 Uhr möglich. In Deutschland kann an einigen Handelsplätzen bis 22:00 Uhr, mitunter sogar bis 23:00 Uhr, gehandelt werden.

Payment For Order Flow: Geschäftsmodell in der Kritik

Robinhood gilt als Pionier der sogenannten Neobroker, die ein andersartiges Geschäftsmodell verfolgen. Neobroker verlangen sehr niedrige Orderentgelte von ihren Kunden oder verzichten ganz darauf.

Die Einnahmen werden nicht durch Gebühren der Kunden generiert, sondern primär durch Provisionen und Rückvergütungen von Handelspartnern. So erhält der Broker Provisionen für weitergeleitete Kundenorders. Im Fall von Robinhood werden erteilte Orders beispielsweise an Citadel weitergeleitet und außerbörslich ausgeführt.

Diese Praxis wird als Payment for Order Flow bezeichnet und auf Regulierungsebene durchaus kritisch gesehen. Schließlich besteht ein potenzieller Interessenkonflikt: Broker dieses Typs leiten Orders nicht an den Handelsplatz weiter, an dem die beste Ausführung im Interesse des Kunden stattfindet, sondern an den Handelspartner, der die höchste Provision zahlt.

Deutsche Neobroker: Innovation mit Schattenseiten

Auch in Deutschland gibt es mittlerweile eine größere Anzahl von Neobrokern. Der erste Anbieter hierzulande war Trade Republic, der 2019 an den Start ging. Mit Scalable (zuvor aus dem Bereich der digitalen Vermögensverwaltung bekannt), Just Trade, Smartbroker und Finanzen.net Zero gibt es eine Reihe weiterer Anbieter.

Typisch ist, dass bei der Orderausführung an bestimmten Handelsplätzen entweder gar keine oder sehr niedrige Gebühren anfallen. So wird häufig über gettex oder Lang & Schwarz Exchange, aber auch über Quotrix oder Tradegate gehandelt. Bei einigen Brokern sind Xetra-Orders erst gar nicht möglich, während bei anderen deutlich höhere Gebühren verlangt werden. Allerdings sind auch diese Gebühren im Vergleich mit Direktbanken konkurrenzfähig.

Das Echo auf die Anbieter in Deutschland ist geteilt. So schrieb etwa die Stiftung Warentest: "Finanztest hat die Broker über Monate ausprobiert, der Handel funktioniert nach unseren Beobachtungen weitgehend reibungslos. Als unbegründet erwies sich die Befürchtung, dass die Gebührenfreiheit mit einer größeren Handelsspanne beim Kauf und Verkauf einhergeht. Bei bekannten Aktien oder ETF entdeckten wir keine nennenswerten Aufschläge gegenüber dem Xetra-Handel der Deutschen Börse."

Die Bafin steht den Anbietern etwas kritischer gegenüber und appelliert an Verbraucher, sich von den Werbeversprechen nicht blenden zu lassen: "Denn in Wirklichkeit sind auch diese Brokerage-Angebote nicht kostenlos." Kunden würden durch die Market Maker, an die die Orders weitergeleitet werden, mit Kosten belastet – vor allem außerhalb der regulären Börsenöffnungszeiten. Vor diesem Hintergrund erscheint die zeitliche Ausweitung des Handels bei Robinhood in einem anderen Licht.

Zudem warnt die Bafin: "Weil sich das Niedrigpreis-Modell für Neobroker rechnen muss, haben sie meist ein eingeschränktes Dienstleistungsangebot."

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