Auf Grund von hohen Energiepreisen

Globale Krise wirbelt Handelsbilanz durcheinander

GoldGeldWelt Redaktion - 15.07.2022

Die globale Krise wirbelt die Handelsbilanzen durcheinander. In letzter Zeit ereigneten sich Verschiebungen, die jahrzehntelang undenkbar waren.

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Deutschland - der Exportweltmeister schlechthin – vermeldete sein erstes monatliches Handelsdefizit seit 31 Jahren. Einer der Hauptgründe: Die deutlich gestiegenen Preise für Energie, die Deutschland bekanntlich importiert.

Erstes deutsches Handelsbilanzdefizit seit der Wiedervereinigung

Das Handelsdefizit vor 30 Jahren war nicht zuletzt auf die deutsche Wiedervereinigung und der daraus resultierend steigenden Importnachfrage in den neuen Bundesländern zurückzuführen. Der Effekt verpuffte jedoch schnell.

Ebenso kann der aktuelle Trend vorübergehender Natur sein, wenn die Energiepreise sinken und/oder sich die Ungewissheit in Bezug auf Russland ändert. Gerade Letzteres erscheint jedoch derzeit ausgesprochen unwahrscheinlich.

Deutschland ist kein Einzelfall. Auch Frankreich und andere europäische Länder verzeichnen Defizite. Die Eurozone als Ganzes weist jetzt in der Leistungsbilanz – die neben der Handelsbilanz auch die Dienstleistungsbilanz umfasst –ein Defizit aus.

Das Problem ist nicht auf Europa begrenzt. Japan verzeichnete im Mai das höchste Handelsbilanzdefizit seit 2014. Das Defizit stieg von 986 Milliarden JPY auf 1187 Milliarden JPY. Südkorea vermeldete für Juni das größte monatliche Handelsdefizit seit 1989.

Die südkoreanische Vizefinanzminister Bang Ki-sun äußerte gegenüber Bloomberg wenig Hoffnung, dass sich die Situation bald entspannen könnte. Das Land sei sehr abhängig von externen Quellen für Energie, sodass steigende Preise sich negativ auf die Exporte auswirkten. Der Aufwärtstrend bei den Preisen werde jedoch noch einige Zeit anhalten.

Keine Handelsüberschüsse = Schwächere Währung

Die tektonischen Verschiebungen in den Handelsbilanzen wirken sich auch auf den Devisenmarkt aus. Erzielt eine Volkswirtschaft Handelsbilanzüberschüsse, wirkt sich dies stützend auf die Währung aus.

Der Grund: Die ausländischen Käufer der Exportüberschüsse müssen entweder selbst Euro kaufen, um die Waren zu bezahlen – oder bezahlen die Ware in einer anderen Währung, die dann von den deutschen Exporteuren in Euro umgetauscht wird.

In jedem Fall kommt es zu Nachfrage nach Euro. Diese Nachfrage fällt nun weg – was am Devisenmarkt sichtbar wird. Der Euro kämpft aktuell mit der Parität zum US-Dollar. Für wenige Minuten wurde diese am Donnerstag sogar geringfügig unterschritten.

Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Greenback so schwach wie seit 2002 nicht mehr. Der Yen notiert gegenüber dem US-Dollar so schwach wie seit 1998 nicht mehr. Das aktuelle Wechselkursniveau von Südkoreas Won gegen den US-Dollar ist so schwach wie zuletzt während der weltweiten Finanzkrise.

Für Europa besonders bedrohlich ist die Kombination schwindender Handelsüberschüsse mit einer im internationalen Vergleich zögerlichen Zinswende. Die Renditen von US-Staatsanleihen (und auch die Renditen in Australien, Kanada, dem Vereinigten Königreich und vielen weiteren Ländern) sind attraktiver als in der Eurozone und in Japan.

„Irgendwie muss für die neuen Defizite bezahlt werden“

Kurz gesagt: Bieten die Zentralbanken Anlegern keine interessanten Renditen und treiben auch ausländische Käufer von Waren aus der Eurozone die Nachfrage nach Euro nicht, sinkt der Euro Wechselkurs.

Shahab Jalinoos, Global Head of Macro Trading Strategy bei der Credit Suisse Group AG, sagte gegenüber Bloomberg: „Irgendjemand muss für die neuen Defizite bezahlen“. Der Wechselkurs sei hier lediglich ein Anpassungsmechanismus. Ohne veränderte Zinspolitik müssten Länder wie Deutschland mit ansehen, wie ihre Währungen anhaltend schwächer werden.

Eine Abwertung der Währung aber verstärkt die Probleme in der Eurozone und den einst exportstarken asiatischen Ländern nur zusätzlich. Rohstoffe wie Öl und Gas werden auf dem Weltmarkt in US-Dollar gehandelt. Wertet die heimische Währung ab, steigt die Rechnung für die Energieimporte – es müssen also mehr Euro, Yen usw. zum  USD verkauft werden, was den Wechselkurs weiter schwächt.

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