Licht und Schatten am Edelmetallmarkt

Gold und Silber testen Tiefs vor EZB-Leitzinsanhebung

- 08.09.2022

Der USD-Index, der den Außenwert des US-Dollars zu sechs anderen Fiat-Währungen vergleicht, kletterte in der letzten Handelswoche weiter und erreichte mit über 110 Punkten den höchsten Stand seit 2002. Der Gold- und der Silberpreis mussten dabei Federn lassen und fielen in der letzten Handelswoche wieder auf ihre Juli-Tiefs. Der Goldpreis bildete diesmal mit 1.688$ jedoch ein höheres Tief als im Juli aus und überwand folgend zwei kurzfristige Abwärtstrends. Es besteht die Möglichkeit, dass hier ein doppelter Boden ausgebildet wurde und nun wieder ein Anstieg auf das obere Ende der Handelsspanne bei 1.800$ beginnt. Sollte das Tief der letzten Woche jedoch noch einmal angelaufen werden, so droht ein finaler kurzer Einbruch unter die mehrjährige Unterstützung bei 1.680$, bei dem Investoren abgefischt werden dürften. Es ist daher sehr wichtig einen Stopp-Loss spätestens auf dem Tief der letzten Woche zu platzieren und im Falle eines kurzzeitigen Einbruchs nach einer Rückeroberung der Unterstützung wieder auf der Käuferseite zu sein.

Der Silberpreis fiel mit 17,55$ vergangene Woche bereits unter das Juli-Tief. Es hängt jetzt vom Goldpreis ab, ob Silber die vorherige Unterstützung bei 18$ zurückerobern kann oder ob es noch ein letztes Mal um eine Etage tiefer gehen wird, bevor die Korrektur ganz abgeschlossen ist. Ich hatte Mitte August beim Gold bei 1.800$ und bei Silber bei 20,75$ zur Gewinnmitnahme geraten nach unserem erfolgreichen Long-Trade und einen erneuten Test der Juli-Tiefs prognostiziert, weshalb für kurzfristig agierende Trader Shortpositionen Sinn machten.

Fast nur rote Vorzeichen in der letzten Handelswoche in einem Umfeld steigender Zinsen und eines stärkeren US-Dollars. 

Es gibt aktuell Licht und Schatten am Edelmetallmarkt. Die Stimmung ist denkbar schlecht, wie die Daten der US-Terminmarktaufsicht zeigen. Dies ist jedoch bullisch für den Silberpreis, denn wenn alle Spekulanten bereits verkauft haben, im Glauben der Preis könne nur noch tiefer fallen, dann gibt es keine neuen Verkäufer mehr. Irgendwann kommt es zu ersten Gewinnmitnahmen, die einen Preisanstieg erzwingen und so eine Trendwende einleiten, was sich sogar zu einem Short-Squeeze entwickeln kann. Die Terminmarktdaten für Silber sind aktuell besonders bullisch, da die Spekulanten eine Netto-Shortposition halten, während die Produzenten diametral gegensätzlich eine Netto-Short sind, was bedeutet, dass sie ihre Produktion zu diesem günstigen Silberpreis praktisch zurückkaufen.

Die Produzenten kaufen Ihre Produktion netto am Markt zurück. 

Dies geschah in der Vergangenheit sehr selten und war meist ein gutes Indiz für ein zyklisches Tief und eine gute Chance auf sichere Gewinne binnen 12 Monaten. In den 84 Fällen, bei denen die Spekulanten in den letzten 30 Jahren eine Netto-Shortposition hielten, lag die durchschnittliche 12-Monats-Rendite bei knapp über 12%. Der maximale 12-Monats-Gewinn betrug dabei 82%, während der maximale 12-Monats-Verlust nur geringe 15% ausmachte.

Dazu kommt, dass das Gold-Silber-Ratio mittlerweile bei 96 liegt, womit Silber historisch günstig ist zu Gold. Ein mehrjähriger zyklischer Trade, bei dem man Gold verkauft und stattdessen Silber akkumuliert, um Silber später zu einem niedrigeren Ratio wieder gegen Gold zu tauschen, macht nun durchaus Sinn. Hier zeigen sich die Vorteile von Edelmetallbeständen in Zollfreilagern oder börsengehandelten ETF, die sich leicht veräußern und in günstige Edelmetalle umschichten lassen. Auch für Käufer von Münzen und Barren bietet ein Preis von unter 18$ eine sehr gute langfristige Kaufchance.

Nur zweimal in der Geschichte war Silber so günstig zu Gold. 

Die US-Arbeitsmarktdaten fielen am Freitag ganz gut aus mit 315 Tsd. neu geschaffener Stellen außerhalb der Landwirtschaft, was leicht über der Markterwartung von 300 Tsd. lag. Die Arbeitslosenrate stieg hingegen auf 3,7%, während 3,5% erwartet wurden. Diese guten Arbeitsmarktdaten machen eine Zinsanhebung um 75 Basispunkte bei der nächsten US-Notenbanksitzung am 21. September wahrscheinlicher. Nach den Fed Funds Futures erwarten die Märkte aktuell nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 56% eine Zinsanhebung um 75 Basispunkte, was bei einem Eintreten den Goldpreis etwas unter Druck bringen könnte. Folgend stiegen auch die Renditen der US-Staatsanleihen in der letzten Woche weiter an. Der Arbeitsmarkt müsste erst stark einbrechen, bevor US-Notenbankchef Jerome Powell von seinem geplanten Pfad weiterer Zinsanhebungen zurückrudern könnte.

Die US-Notenbank hatte Anfang Juni ihr Quantitative Tightening Programm gestartet, das dem Markt monatlich 45 Mrd. Dollar an Liquidität entzieht, indem Staatsanleihen am offenen Markt verkauft werden. Ab September wurde das Volumen des QT-Programms auf 90 Mrd. Dollar hochgeschraubt. Dies ist ein kurzfristig deflationärer Prozess, der jedoch auf hohem Niveau stattfindet, wie die Ausweitung der US-Notenbankbilanz zeigt. Seit dem Beginn der Coronakrise hatte die FED ihre Bilanz von etwas mehr als 4 Billionen auf fast 9 Billionen US-Dollar ausgeweitet. Selbst dann, wenn dem Markt über das nächste Jahr 1,14 Billionen US-Dollar entzogen würden, wäre die Notenbankbilanz immer noch fast doppelt so groß wie Ende 2019, was den aktuell hohen Goldpreis rechtfertigt.

Die Arbeitsmarktdaten sind gut und das QT-Programm der US-Notenbank läuft.

Den Aktienmärkten, die nach dem Corona-Crash auf der Liquiditätswelle der QE-Programme mit nach oben gespült wurden, gefällt das deflationäre Umfeld bei gleichzeitig steigenden Zinsen nicht, weshalb auch der Dow Jones in der letzten Woche rund 3% auf 31.380 Punkte verloren hatte. Solange dieses Umfeld anhält und nicht eine Änderung in der Geldpolitik absehbar ist, dürfte sich der nominale Bärenmarkt fortsetzen. Bis zu einer Änderung in der Geldpolitik und/oder einem US-Dollar auf Talfahrt, wird es wenig Gründe geben, um am Aktienmarkt als Käufer aufzutreten.

Der Anstieg der Konsumentenpreise wird sich in den USA im nächsten Jahr, spätestens mit einer Trendwende beim US-Dollar, noch verstärken und die Rezession immer offensichtlicher werden. Wer sich mit Wirtschaft und der Konjunkturtheorie der Österreichischen Schule auskennt, der weiß, dass es keine sanfte Landung für die westlichen Volkswirtschaften geben wird, sondern stattdessen eine Bruchlandung ungespitzt in den Boden. Wie bei jedem QT-Programm davor, werden die Schmerzen für die Politik und den Staat irgendwann so stark werden, dass die US-Notenbank zurückrudern und das QT-Programm vorzeitig beenden wird. Jedes Anzeichen dafür, dass die Fed bereit ist, ihre Straffungsmaßnahmen zu lockern, dürfte sofort zu einem Rückgang der Anleiherenditen führen, sowie die Realrenditen wieder tief in den negativen Bereich drücken, während die Edelmetallpreise diametral gegensätzlich eine neue Rallye starten werden.

Ob die Fehlallokationen in der Wirtschaft, die die Geldpolitik der EZB und FED verursacht haben, nun über Deflation oder Inflation aufgelöst werden, ändert nichts an der Tatsache, dass wir vor der schwersten Rezession seit den 30er Jahren stehen und vor der historischen Auslöschung vermeintlicher Vermögen auf den Giralgeld-Konten der Bürger. Es gibt dabei auch nichts zu retten, denn die Vermögen wurden durch die Politik bereits ausgegeben in den letzten Jahrzehnten und die Fehlallokationen bereits geschaffen. Den Bürgern wird jetzt nur die Rechnung für die sozialistische Geld- und Fiskalpolitik der letzten Jahrzehnte gereicht. Niemand kann an diesem Prozess noch etwas ändern oder retten und auch kein vermeintliches Entlastungspaket der Regierung wird die kommenden Schmerzen mildern. Das Geld ist weg und die Wirtschaft wurde an die Wand gefahren, weshalb es sich bei diesen Staatshilfen nur um reine Symbolpolitik handelt, denn am Ende des Tages muss es der Bürger ohnehin wieder zahlen.

EZB hebt Leitzins um mindestens 75 Basispunkte an

Am Donnerstag wird es eine Rede von Jerome Powell geben, sowie die Notenbanksitzung der EZB stattfinden mit einer sehr wahrscheinlichen Anhebung des Leitzinses um mindestens 75 Basispunkte oder mehr. Angesichts einer historisch hohen Inflationsrate von 9,1% liegt die EZB weit hinter der Kurve. Der neutrale Marktzins dürfte im Bereich von 13% liegen, womit selbst eine Zinsanhebung um 100 Basispunkte eine unverändert lockere Geldpolitik in einem gleichzeitig unvermeidlich rezessiven Umfeld darstellt. Dies nennt man Stagflation, die ich schon Anfang 2019 für die nächste Dekade vorhergesagt habe. Es ist also alles nichts Neues und es kommt, wie es kommen muss. Man kann nicht unendlich Inflation und Fehlallokationen erzeugen, ohne dass einem das Ganze irgendwann um die Ohren fliegen wird, was wir aktuell erleben.

Die Geldpolitik der EZB ist immer noch extrem locker. Der Leitzins sollte längst bei über 12% liegen.

Die deutsche Finanzpresse verkauft den Menschen diesen Zinsschritt als „Kampf gegen Inflation“, mit Aussagen, die nicht falscher sein könnten, während die Wahrheit diametral gegensätzlich ist.

„Auf jeden Fall muss diese Inflation bekämpft werden und man wird da nicht mehr so zimperlich sein. Das bedeutet, man wird eben auch in Kauf nehmen, dass die Wirtschaft weniger wächst und da führt eben kein Weg dran vorbei. Das bedeutet, dass die Europäische Zentralbank das bisher schier unvorstellbare tun wird, nämlich einen großen Zinsschritt von einem Dreiviertel Prozent.“ K.D. ntv

Künstliche niedrige Zinsen unterhalb des natürlichen Marktzinses lassen eine Wirtschaft nicht schneller wachsen, sondern führen diese lediglich in eine andere Richtung, weg von einem nachhaltigen Pfad. Ebenso wenig sorgen steigende Zinsen für eine schwächere Wirtschaftsleistung, sondern sie führen diese nur wieder zurück auf den nachhaltigen Weg, indem unrentable Fehlallokationen bereinigt werden, die erst durch künstlich niedrige Zinsen entstanden. Erst durch eine Rezession kann eine Volkswirtschaft wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückkehren.

Senken die Notenbanken Zinsen unter das natürliche Marktniveau, dann führt das am Ende des Tages immer dazu, dass eine Wirtschaft weniger stark wächst, als sie hätte wachsen können ohne Eingriff der Zentralbanken. Im schlimmsten Fall können ganze Volkswirtschaften zerstört und der Kapitalstock gänzlich vernichtet werden, wenn Notenbanken die Zinsen zu lange zu stark senken und dabei zu viel Inflation erzeugen. Künstlich niedrige Zinsen sind damit negativ für das langfristige Wirtschaftswachstum und den Anstieg des Wohlstands, während marktgerechte Zinsen das Kapital am effizientesten allozieren und somit das höchstmögliche Wirtschaftswachstum erzeugen. Die deutsche Finanzpresse stellt diese Zusammenhänge hingegen völlig gegensätzlich dar, muss sie doch die Handlungen der Politiker irgendwie begründen.

Das Einzige, was an der Leitzinsanhebung unvorstellbar ist, ist der Abstand des Leitzinses zur Inflationsrate von 9,1%. Eine Anhebung ist längst überfällig und würde die EZB ihren Worten vom Kampf gegen Inflation Taten folgen lassen, dann müsste der Leitzins längst zweistellig sein und es dürfte kein OMT-Programm geben, mit dem die EZB in unbegrenzter Höhe Staatsanleihen von strauchelnden EU-Staaten aufkauft, sondern stattdessen ein QT-Programm, ebenso wie das der FED.

Natürlich würde das das Ende der Europäischen Union bedeuten, die sofort zerbrechen und die Folgen der destruktiven sozialistischen Politik der letzten Jahrzehnte offenlegen würde. Deshalb wird man weiter Sündenböcke suchen und finden, um weiter an der Macht zu bleiben und ggf. weiter Geld drucken, um die politische EU am Leben zu erhalten, auch wenn die Bevölkerung Europas dabei völlig verarmen wird.

Eine neue Krise in der Welt würde der US-Notenbank und der EZB jedoch die Möglichkeit geben, früher gegenzulenken und nicht erst auf einen neuen Wirtschafts- und Finanzmarktzusammenbruch zu warten. Die USA liefern bereits Waffen für 1,1 Mrd. Dollar an Taiwan, während die Bevölkerung auf einen Krieg eingeschworen wird und eine erste chinesische Drohne abgeschossen wurde. Da es auch in China Unruhen gibt, aufgrund des Zusammenbruchs des Immobilienmarktes, würde dem Regime eine Krise helfen, um die Bevölkerung wieder auf Linie zu bringen.

Es wird in den nächsten Jahren keine Alternative zum Gold geben, denn die Aktien- und Anleihenmärkte werden mit den steigenden Zinsen weiter fallen, während die Rezession immer weiter um sich greifen wird. Edelmetalle, allen voran das Gold, werden in den nächsten Jahren hingegen zu den sichersten und sehr wahrscheinlich am besten performenden Investments gehören.

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GoldGeldWelt Gastautor

Markus Blaschzok, Dipl.-Betriebswirt (FH), CFTe, ist Autor eines bekannten Finanzmarktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Gold und Rohstoffe sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler und Investoren. Seit 2015 ist er zudem Chefanalyst bei der GoldSilberShop.de GmbH. Der frühe Verfechter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, der bereits 2007 seine Diplomarbeit über diese ökonomische Denkrichtung schrieb, verfolgt einen ganzheitlichen Analyseansatz.

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