Goldpreis fällt unter 2.000 US-Dollar - ist das der Beginn der Korrektur?

- 25.04.2023

Der Goldpreis fiel am Freitag stark bis ins Tief auf 1.973 US-Dollar und verbuchte damit seine schlechteste Handelswoche seit Februar, nachdem sich ein weiteres Mitglied der US-Notenbank hawkish geäußert hatte und folgend die Wahrscheinlichkeit für mindestens eine weitere Zinserhöhung anstieg. Nach den Fed Funds Futures liegt die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Zinsschritts um 25 Basispunkte am 3. Mai nun bei 89 %. Die Präsidentin der US-Notenbank von Cleveland, Loretta Mester, war die letzte der Fed-Chefs, die sich für eine weitere Zinserhöhung aussprach und nun forderte, dass die Politik mit einem Leitzins von über 5 % etwas weiter in den Bereich der Straffung gehen müsse. In der Vorwoche hatten erst Fed-Vertreter wie Christopher Waller und John Williams eine weitere Anhebung des US-Leitzinses gefordert.

Nun stellt sich der Markt die Frage, ob der Goldpreis seine Rallye des letzten halben Jahres fortsetzen kann, nachdem diese im letzten Monat bereits an Fahrt verloren hat, da die Zweifel an einer Zinspause und insbesondere einer Zinssenkung der US-Notenbank in diesem Jahr wachsen.

Primär waren es die Schwäche des US-Dollars und die Hoffnung, dass der Hochpunkt der Inflation es der US-Notenbank erlauben würde, von weiteren Zinserhöhungen Abstand zu nehmen oder diese gar wieder zu senken, die die Rallye am Goldmarkt getrieben hatten. Gegensätzlich waren es die aggressive Rhetoriken der Fed und der EZB, sowie auf Anzeichen für eine anhaltend hohe Inflation im Vereinigten Königreich und in der Eurozone, die eine Fortsetzung der Rallye bisher verhinderten. Zudem setzten Gewinnmitnahmen ein, nachdem der Goldpreis im letzten halben Jahr in der Spitze um 440 US-Dollar angestiegen war, was einem Plus von 26 % entsprach.

Dass der starke Anstieg der Erzeugerpreise in Deutschland mit in der Spitze 46 % zum Vorjahr nicht ewig weitergehen und wieder genauso schnell zurückkommen dürfte, war zu erwarten. Die letzte Woche veröffentlichten Produzentenpreise für Deutschland stiegen im März nur noch um 7,5 % zum Vorjahr an, während es im Vormonat noch 15,8 % waren. Insgesamt fielen die Erzeugerpreise zum Vormonat um 2,6 %, während diese im Vormonat noch ein Minus von 0,3% verzeichneten.

Der Preissteigerungsdruck auf die Produzentenpreise nimmt ab.

 

Auch die finalen Verbraucherpreise für die Eurozone im März fielen in der letzten Woche auf 6,9 %, entsprechend der Markterwartung von 6,9 %. Im Vormonat stiegen die Preise noch um 8,5 % zum Vorjahr an. Dies entspricht einem Preisanstieg von 0,9 % zum Vormonat, wobei die Preise im März noch mit 0,8 % anstiegen. Angesichts der noch immer hohen Inflation im Euroraum sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde in einer aggressiven Rede am Donnerstag: „Wir müssen alles tun, um die Inflation wieder auf das 2 %-Ziel zu bringen.“ Dies verhinderte, dass der Euro einen mittelfristigen Aufwärtstrend in der letzten Wochen nach unten durchbrach.

Die Inflationsrate der Eurozone sank im März auf 6,9 %, während der Leitzins der EZB bei 3,5 % lag.

 

Obwohl die neuesten Verbraucherpreise in der letzten Woche eine weitere Abkühlung der Inflationsrate zeigen, konnte der Goldpreis nicht mehr davon profitieren, was eine gewisse Erschöpfung am Goldmarkt zeigt. Dies verwundert nicht, nachdem der Goldpreis in der Spitze um über 440 US-Dollar (+26 %) binnen eines halben Jahres angestiegen war und nun die bereits eingepreisten Hoffnungen des Marktes auf Zinssenkungen schwinden.

Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA wurden am Donnerstag veröffentlicht und lagen mit 245 Tsd. im Rahmen der erwarteten 240 Tsd., wobei es auch im Vormonat 240 Tsd. neue Jobsuchende gab. Auch hier gab es in der letzten Woche keine neuen Impulse für den Goldpreis.

Die großen Gewinner der letzten Handelswoche waren hingegen der Platinpreis mit einem Plus von 7,8 % und Palladium, das um 6,5 % nach dem Bruch eines halbjährigen Abwärtstrends in einem kleinen Short-Squeeze nach oben schnellte.

Die weitere mittelfristige Entwicklung am Edelmetallmarkt dürfte von der Entwicklung des US-Dollars abhängen. Sollte diesem der Sprung über den letzte Woche erneut getesteten Abwärtstrend gelingen, was womöglich eine Dollarstärke den Sommer über nach sich ziehen würde, so wäre eine weitere Korrektur am Edelmetallmarkt wahrscheinlich. Fällt der US-Dollar hingegen weiter, so dürften die Edelmetalle ihre aktuellen Preisniveaus in den nächsten Wochen und Monaten verteidigen können.

Der Goldpreis in US-Dollar handelt aufgrund des schwachen US-Dollars noch immer nahe seinem Allzeithoch.

 

Dass sich viele Zentralbanken der Schwellenländer vom US-Dollar und von anderen Fiat-Währungen abwenden, zeigt einen übergeordneten Trend der den US-Dollar langfristig schwächen wird, worauf der Goldpreis diametral gegensätzlich profitieren dürfte. Gold ist ein sicherer Hafen, dessen Performance besser war als die des S&P 500 in den letzten 22 Jahren. Jedes Depot sollte daher eine Allokation in Gold haben. Gute Spekulanten sollten zudem immer nach Rücksetzern am Goldmarkt ihr gesamtes Portfolio gegen eine Währungsabwertung zu Gold hedgen, was der einfachste Weg ist, um Vermögen vor der Inflation zu schützen und zusätzlich eine Outperformance zu erzielen.  

Technische Analyse zu Platin: Platinpreis steigt auf 1-Jahrshoch

Terminmarkt: CoT-Report

Der CoT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht (CFTC) veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die COT-Daten werden also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium Abonnenten von Blaschzok Research erhalten vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber und Platin. Die CoT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen. Mit ihnen hat man einen Vorteil im Trading am Rohstoffmarkt.

CoT-Daten für Platin vom 21. April:

Der CoT-Index zum Open Interest ist auf 25 Punkte gefallen. Die Spekulanten gingen mit 10 Tsd. Kontrakten Long und der Preis stieg dabei um 88 US-Dollar an. Die CoT-Daten sind langsam überkauft. Dennoch zeigte sich noch einmal Stärke zur Vorwoche. Auch die Stärke von Platin und Palladium zum Gold- und Silbermarkt ist beeindruckend, was auf deren Funktion als Industriemetall zurückzuführen ist und gut in unser Bild für einen rezessionsfreien Sommer passt.

Nach den neuesten Daten ist nicht mehr viel Luft nach oben vorhanden. Vielleicht verausgaben sich die Spekulanten in den nächsten 1-2 Wochen und es bietet sich dann ein Short-Setup. Sollte der Goldpreis unter wichtige Unterstützungen fallen und somit ein Verkaufssignal auslösen, so gäbe es mittlerweile Potenzial für einen Long-Drop und einen deutlichen Rücksetzer beim Platinpreis. 

Der CoT-Index zeigt mit 25 Punkten, dass die Luft für die Bullen am Platinmarkt langsam dünn wird.

Aktuelle Chartanalyse

Das bullische Szenario für den Platinpreis traf nach einem bullischen Ausbruch des Goldpreises aus seinem Dreieck infolge eines schwächeren US-Dollars ein. Vor drei Wochen schrieb ich:

„Die CoT-Daten zeigen, dass Spekulanten auf einen Preisanstieg gewettet hatten, der Preis jedoch aufgrund eines Überangebots am physischen Markt nicht durchstarten konnte. Aktuell sind die CoT-Daten neutral, weshalb die Bullen und Bären beide Pulver trocken haben.

Platin dürfte kurzfristig mit dem Goldpreis laufen. Gelingt dem Goldpreis ein bullischer Ausbruch aus seinem Dreieck, dann wäre ein Anstieg des Platinpreises auf 1.100 US-Dollar denkbar. Dort wäre dieser dann jedoch überkauft und man sollte Gewinne mitnehmen oder gar ggf. auf die Shortseite wechseln.“

Platin konnte am Freitag sogar kurzzeitig auf 1.142 US-Dollar ansteigen und das letzte Verlaufshoch überwinden, womit der Preis den höchsten Stand seit 13 Monaten erreichte. Der unvermindert starke Goldpreis, der seit einem Monat das aktuelle Preislevel dank eines schwachen US-Dollars verteidigen kann, ermöglichte diese Erholung beim Platinpreis, die primär von Spekulanten am Terminmarkt getrieben wurde, wie die CoT-Daten zeigen.

Je später die Rezession in diesem Jahr offen zutage tritt, desto besser stehen die Chancen für eine Stärke des Platinpreises. Sobald die Rezession jedoch in aller Munde ist und die Unternehmen beginnen Kosten zu senken und die Produktion zu drosseln, wird das Überangebot zunehmen und Platin womöglich kurzzeitig noch einmal stark einbrechen. Wer dann auf der Seitenlinie mit genügend Pulver steht, der findet in diesem Einbruch eine sehr gute kurz- bis mittelfristige Kaufchance.

Der Goldpreis fiel am Freitag zurück auf eine wichtige Unterstützung bei 1.972 US-Dollar. Sollte Gold darunter einbrechen, so dürfte sich der Platinpreis kurzzeitig diesem Trend nicht entziehen können und auch eine Korrektur einleiten. Solange der Goldpreis darüber handelt, hat Platin noch die Chance etwas mehr anzusteigen, doch ist die Luft dünn. Spätestens dann, wenn Gold unter die wichtige Unterstützung fällt, ist ein Rücksetzer beim Platin auf mindestens 1.000 US-Dollar sehr wahrscheinlich und womöglich gar ein Rücksetzer auf 900 US-Dollar.

Ideal wäre es, wenn Platin noch etwas weiter ansteigen und sich die Spekulanten verausgaben würden, was ein besseres Setup für einen Short-Trade liefern würde. Insgesamt dürfte den Bullen langsam die Luft ausgehen auf Sicht der nächsten 2-3 Monate der Preis wieder die 1.000 US-Dollar-Marke testen.

Platin konnte zuletzt das letzte Verlaufshoch bei 1.120 US-Dollar übertreffen, was kurzfristig Stärke in diesem Markt zeigt.

Langfristige Analyse

Mittel- bis langfristig hat Platin ein Problem. Mehr als die Hälfte der jährlichen Minenproduktion wird in der Automobilindustrie zur Herstellung von Katalysatoren verwendet. Die Rezession wird in den nächsten Jahren im Umfeld steigender Zinsen zulegen und Leasing- sowie Finanzierungsmodelle für Neuwagen auf die Probe stellen. Schon jetzt können weniger Amerikaner ihre Auto-Leasing- und Finanzierungsraten zahlen als zum Hoch der Finanzkrise von 2008. Diese Situation wird sich in den nächsten Jahren noch weiter zuspitzen. Mit einem starken Rückgang der Neuwagenverkäufe und entsprechenden Gewinnrückgängen für die Automobilhersteller ist zu rechnen.

Langfristig dürfte sich im Bereich zwischen 800 US-Dollar und 1.000 US-Dollar ein langfristiger Boden ausbilden. Wir empfehlen Rücksetzer in den Bereich um die 800 US-Dollar als mittel- bis langfristige Kaufchance zu nutzen. Auch kurzfristig agierende Trader haben dort grundsätzlich ein Setup mit einem guten Chance-Risiko-Verhältnis.

Man muss sich jedoch bewusst sein, dass der Platin- und Palladiumpreis während Rezessionen in der Vergangenheit kurzzeitig auch immer stark einbrach, weshalb eine Stopp-Loss-Order der beste Freund kurzfristig agierender Trader ist. Ein panikartiger Einbruch auf nochmals 500 US-Dollar wäre in einer Rezession mit einer Verkaufspanik an den Märkten durchaus denkbar in diesem Jahr. Deshalb ist eine Stop-Loss-Order der beste Freund eines Traders, damit man solche Chancen nutzen und bei einem Einbruch im Tief kaufen kann.

Sobald die Notenbanken mit neuen QE-Programmen auf die bevorstehende weltweite Rezession oder alternativ schon früher auf einen exogenen Faktor reagieren werden, bieten sich enorme Chancen für die Bullen. Sollten die Notenbanken aufgrund exogener Ereignisse jedoch vor der offenen Manifestation einer Rezession agieren, worauf der Bail Out der SVB hindeutet, so würde ein starker Preiseinbruch verhindert werden. Wichtig ist, dass man die Long-Seite tradet, sobald die Notenbanken auch nur neue QE-Programme in Erwägung ziehen.

Bei einer Rezession ist ein nochmaliger starker Einbruch möglich.

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GoldGeldWelt Gastautor

Markus Blaschzok, Dipl.-Betriebswirt (FH), CFTe, ist Autor eines bekannten Finanzmarktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Gold und Rohstoffe sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler und Investoren. Seit 2015 ist er zudem Chefanalyst bei der GoldSilberShop.de GmbH. Der frühe Verfechter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, der bereits 2007 seine Diplomarbeit über diese ökonomische Denkrichtung schrieb, verfolgt einen ganzheitlichen Analyseansatz..

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