Notenbanken müssen schnell handeln

Inflation: Jetzt spricht die Zentralbank der Zentralbanken

GoldGeldWelt Redaktion - 29.06.2022

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) – auch als Zentralbank der Zentralbanken bekannt – hat sich zur globalen Inflationsproblematik geäußert. Die Notenbanken müssten schnell und entschieden handeln, um eine Verfestigung hoher Inflationsraten zu verhindern. Die Märkte und zunehmend auch die Notenbanken sorgen sich vor einer globalen Rezession, die durch die vielerorts eingeleitete geldpolitische Wende verschärft werden könnte. Laut der BIZ muss jedoch die Bekämpfung der hohen Inflationsraten oberste Priorität haben.

Risiko für Phase hoher Inflation in der Weltwirtschaft

Wie die Zentralbank der Zentralbanken in ihrem am Sonntag veröffentlichen jährlichen Bericht schreibt, bestehe ein erhebliches Risiko für eine Phase hoher Inflation in der Weltwirtschaft. Die Zentralbanken müssten deshalb „schnell und entschieden handeln, bevor sich die Inflation festsetzt“.

Rezessionsängste seien kein Argument gegen eine geldpolitische Straffung: Eine hohe Inflation würde die langfristigen wirtschaftlichen Kosten noch sehr viel stärker nach oben treiben.

Damit ist die Haltung der BIZ in Bezug auf die globale Geldpolitik sehr eindeutig. Das Institut ist angesichts der weltweit hohen Preise offensichtlich alarmiert. BIZ Generaldirektor Agustín Carstens stellte klar, dass eine zaghafte Geldpolitik aus Sorge um die Konjunktur der falsche Weg sei. „Der längerfristige Nutzen einer Aufrechterhaltung von Stabilität für Privathaushalte und Unternehmen überwiegt gegenüber den kurzfristigen Kosten.“

Notenbanken sollen primär Inflation bekämpfen

Damit sieht die BIZ die Notenbanken in der Pflicht, primär die Inflation zu bekämpfen und von der weithin praktizierten Konjunkturpolitik abzurücken. Die Zentralbanken müssten dabei rasch und entschlossen handeln, um die gewünschte Preisniveaustabilität wiederherzustellen.

Global betrachtet reagieren die Notenbanken auf die hohen Inflationsraten sehr unterschiedlich. Die US-Notenbank Federal Reserve – in den USA lag die Inflation im Mai bei 8,6 % – hat den Leitzins seit März um 150 Basispunkte erhöht. Im Juni kam es sogar zu einer Erhöhung um 75 Basispunkte - dem größten Schritt seit 1994. Auch die Bank of England erhöht die Zinsen recht zügig.

Die Europäische Zentralbank (EZB) – im Euroraum lag die Inflation im Mai bei 8,1 % und damit nur minimal unter den US Werten – hält sich bislang vergleichsweise zurück. Dies liegt auch an spezifischen Problemen der Eurozone. Die Renditen der Staatsanleihen einiger hochverschuldete Länder waren zwischenzeitlich deutlich nach oben geschnellt. Beobachter befürchten ein neues Aufflammen der Euro-Krise.

Entschlossenes Handeln vergrößert Chance auf Soft Landing

Die EZB würde offenbar gerne ein sogenanntes Soft Landing der Konjunktur erreichen – am liebsten mit einer zaghaften Straffung der Geldpolitik. Dem widerspricht die BIZ. Das Institut betont vielmehr, dass gerade eine Priorisierung der Inflationsbekämpfung die negativen Auswirkungen auf die Konjunktur minimieren und finanzielle Stabilität gewährleisten könne.

Die Chance auf eine sanfte Landung der Konjunktur sei bei einer entschlossen vorgetragenen geldpolitischen Straffung höher. Ausdrücklich betont die BIZ, dass eine lediglich graduelle Straffung der Geldpolitik das Risiko einer harten Landung vergrößere.

Die BIZ räumt gleichwohl ein, dass die Situation für die Notenbanken nicht einfach sei. Eine weltweit gesehen sehr hohe Verschuldung und hochbewertete Assets erhöhen laut den Analysten der Zentralbank der Zentralbanken die Vulnerabilität der Weltwirtschaft.

Risiko einer Stagflation gegeben – Druck auf Fiskalpolitik steigt

Die BIZ merkt ferner an, dass es erhebliche Gefahren für eine Stagnation – also eine Phase stagnierender Wirtschaft und hoher Inflationsraten – gebe. Eine Wiederholung der Stagnation aus den 1970er Jahren sei jedoch unwahrscheinlich.

Zum einen besitze Energie heute ein weniger starkes Gewicht für die großen Volkswirtschaften, zum anderen hätten sich auch geldpolitische und makroprudenzielle Rahmenbedingungen verbessert. Damit ist das globale Monitoring des Finanzsystems gemeint.

Doch nicht nur die Notenbanken nimmt die BIZ in die Pflicht. Auch die Fiskalpolitik müsse ihre Hausaufgaben machen. Claudio Borio, Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung der BIZ, stellte klar: „Die kurzfristige Herausforderung, eine niedrige Inflation zu gewährleisten, koexistiert mit der längerfristigen Herausforderung, wieder Puffer in der makroökonomischen Politik aufzubauen“

Dies erhöhe den Druck auf die Fiskalpolitik und verkompliziere die Aufgaben der Geldpolitik. Für langfristiges Wachstum seien Reformen sehr wichtig. Die BIZ steht seit Jahren auf dem Standpunkt, dass die Regierungen durch Strukturreformen Wachstumsimpulse setzen und sich weniger auf Fiskal- und geldpolitische Impulse verlassen sollten. 

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