Aktuelle Geldpolitik weiterhin als locker einzustufen

Leitzinsanhebung der EZB enttäuscht und signalisiert keine Inflationsbekämpfung

- 13.09.2022

Die Edelmetallpreise verbuchten in der vergangenen Handelswoche teilweise deutliche Preisanstiege, nachdem der Euro um bis zu zwei US-Cent auf über 1,01 US-Dollar zulegen konnte, während der US-Dollar nach der einjährigen Rallye leicht zur Schwäche neigte. Der Wechselkurs des Euro war in den letzten anderthalb Jahren von 1,23 US-Dollar auf 0,99 US-Dollar eingebrochen, was einem Kaufkraftverlust von rund 20 % entspricht. Der USD-Index war diametral gegensätzlich von 90 Punkte auf 111 Punkte angestiegen und wertete damit auf.

Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, hatte die Europäische Zentralbank am Donnerstag ihren Leitzins um 75 Basispunkte angehoben. Angesichts der historisch hohen Inflationsrate von 9,1 % im Euroraum, war sie zu diesem längst überfälligen Schritt gezwungen. Wie die Wirtschaftsgeschichte über Jahrhunderte hin belegt, müsste der Leitzins eigentlich um vier Prozentpunkte oberhalb der Inflationsrate liegen und nicht um fast acht Prozentpunkte darunter. Deshalb ist die aktuelle Geldpolitik weiterhin als ultralocker einzustufen und keineswegs als restriktiv oder gar als Inflationsbekämpfung.

Der Leitzins sollte eigentlich 4 Prozentpunkte oberhalb der Inflationsrate liegen und nicht fast 8 Prozentpunkte darunter. Bis dahin ist diese Geldpolitik weiterhin ultralocker.

Der Markt hatte einen größeren Zinsschritt als nur 75 Basispunkte erwartet, da der Euro an dem Tag vor der Notenbanksitzung bereits anstieg und unmittelbar nach dem Zinsentscheid wieder auf 0,995 US-Dollar einbrach. Nach der ersten enttäuschten Reaktion des Marktes, stieg der Euro am Freitag dann doch wieder über die Parität an und kletterte weiter auf 1,01 US-Dollar, wobei dies auch auf eine Notenbankintervention zurückzuführen sein könnte, da man womöglich die Richtigkeit des eigenen Handelns mit einem stärkeren Euro belegen wollte.

Entgegen der landläufigen Behauptung dient dieser Zinsschritt keineswegs der Inflationsbekämpfung, da die Preissteigerungen nicht durch ein zu starkes Anwachsen der Kreditgeldmenge, sondern diesmal durch eine Ausweitung der Basisgeldmenge über die QE-Programme der Notenbanken entstanden. Diese Inflation ließe sich nur bekämpfen, indem die EZB die Geldmenge, die sie geschaffen hat, dem Markt wieder entziehen würde. Dies kann sie jedoch nicht, würde sie damit doch die Manipulation des Zinsmarktes aufgeben, worauf die kurzlaufenden Zinsen wieder über die Inflationsrate ansteigen. Dies würde die EU nicht nur in eine historisch tiefe Rezession stürzen, sondern auch viele EU-Mitgliedsländer direkt in den Bankrott.

Die Notenbanker erhalten nun die Rechnung für all die planwirtschaftlichen Eingriffe in den Geld- und Zinsmarkt, wobei ihnen nun die Hände gebunden sind. Sie können lediglich durch geschickte mediale Propaganda, Desinformationen und einige lächerlich geringe Zinsschritte den Eindruck erwecken, die Inflation bekämpfen zu wollen. Die Wahrheit ist, dass die EZB die selbst erzeugte Inflation nicht bekämpfen will, da sie sonst die Europäische Wirtschaft, die Politik und letztlich sich selbst mit in den Abgrund reißen würde.

Es zeichnen sich bereits neue Krisen am Horizont ab, die der EZB nach einigen weiteren kleinen Zinsschritten die Möglichkeit geben werden, mit mehr Geld einen weiteren Anstieg der Zinsen aufzuhalten. Eine neue Ölkrise, nach dem Vorbild der siebziger Jahre, zeichnet sich bereits ab, ebenso wie neue Krisenherde auf der ganzen Welt. Dies würde noch mehr Inflation und Preissteigerungen mit sich bringen, worauf die Edelmetallpreise mit starken Anstiegen reagieren würden.

Der Silberpreis stieg in der vergangenen Handelswoche stark um 4,9 % auf 18,79 US-Dollar an, nachdem es zuvor noch einmal einen Abverkauf auf 17,60 US-Dollar gab und das Sentiment am Silbermarkt historisch pessimistisch war. Der Platinmarkt ist ebenso überverkauft und die Dollarschwäche sorgte für eine technische Preiserholung um 6,7 US-Dollar, wobei auch der Palladiumpreis um 7,5 % zulegen konnte.

Lediglich der Goldpreis zeigte sich mit einem kleinen Plus von nur 0,3 % schwach, während der Goldpreis in Euro gar ein Minus von 0,3 % auf 1.698 Euro verbuchte.

Eine leichte Dollarschwäche führte zu einer Stärke der Edelmetallpreise. 

Es gibt aktuell Licht und Schatten am Edelmetallmarkt. Die Stimmung ist denkbar schlecht, wie die Daten der US-Terminmarktaufsicht zeigen. Dies ist jedoch bullisch für den Silberpreis, denn wenn alle Spekulanten bereits verkauft haben, im Glauben der Preis könne nur noch tiefer fallen, dann gibt es keine neuen Verkäufer mehr. Irgendwann kommt es zu ersten Gewinnmitnahmen, die einen Preisanstieg erzwingen und so eine Trendwende einleiten, was sich sogar zu einem Short-Squeeze entwickeln kann. Die Terminmarktdaten für Silber sind aktuell besonders bullisch, da die Spekulanten eine Netto-Shortposition halten, während die Produzenten diametral gegensätzlich eine Netto-Longposition halten, was bedeutet, dass sie ihre Produktion zu diesem günstigen Silberpreis praktisch zurückkaufen.

Dies geschah in der Geschichte sehr selten und war immer ein Hinweis auf ein zyklisches Tief und oftmals auf eine große Trendwende. Ähnliches sehen wir aktuell am Platinmarkt, wo die Produzenten ebenfalls eine Netto-Longposition halten. Am Platin- und Palladiummarkt muss man jedoch angesichts einer bevorstehenden Rezession deren konjunktursensitive Natur als reine Industriemetalle berücksichtigen.

Die Produzenten kaufen Ihre Ware netto am Markt zurück.

Nur selten in der Geschichte war das Sentiment so bärisch. 

Der HUI-Goldminenindex hatte in der letzten Handelswoche einen mehrjährigen Aufwärtstrend erreicht und konnte auch in der letzten Woche mit einem Plus von 6 % deutliche Gewinne verbuchen. Angesichts des immer noch hohen Goldpreises sind die Minenaktien heillos unterbewertet und ein weiterer Einbruch des Goldpreises bereits eingepreist. Sollte der Goldpreis im nächsten Jahr hingegen wieder auf sein Allzeithoch ansteigen können, so müsste diese Fehleinschätzung am Goldminenmarkt nicht nur berichtigt werden, sondern auch ein dann höherer Goldpreis eskomptiert werden. Die Notierungen der Goldminenaktien könnten sich dann schnell verdoppeln oder auch verdreifachen, abhängig von dem dann weiteren Ausblick angesichts einer wieder lockereren Geldpolitik. Es gibt eine gute Chance, dass der mehrjährige Aufwärtstrend bei HUI-Goldminenindex halten wird.

Der Test des Aufwärtstrends könnte auch diesmal wieder eine gute Kaufchance sein.

Ein letztes Risiko für die Edelmetallpreise und die Minenaktien bleibt eine nochmalige Dollarstärke bis nach den US-Wahlen und einer Pause im Zinsanhebungszyklus der US-Notenbank. Dies könnte die Streckfolter noch einmal maximieren und die letzten Gold- und Silberbullen zur Aufgabe zwingen. Solange sich Gold, Silber und die Minenaktien jedoch über wichtigen technischen Marken halten, sollte man jedoch einen Einstieg in diesen Markt riskieren.

Technische Analyse zu Palladium: Schwäche in den letzten beiden Monaten

Terminmarkt: Der aktuelle CoT-Report vom 09.09.2022

Der aktuelle CoT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die CoT-Daten werden seitens der CFTC also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium Abonnenten erhielten noch vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber, Platin und Palladium. Die CoT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen.

Der CoT-Index OI ist mit 77 Punkten nur noch im neutralen Bereich. In den letzten Monaten zeigte sich aufgrund der Rezession ein Überangebot im Markt, das den Preis um 40 % einbrechen ließ. Neue Käufe von Spekulanten trugen zu keinem nachhaltigen Preisanstieg bei und die Daten verschlechterten sich. Bei einem Überangebot bringen grundsätzlich auch gute CoT-Daten nichts. Die sich mit steigenden Zinsen immer deutlicher manifestierende Rezession ist ein Problem für den Palladiumpreis, weshalb man hier sehr vorsichtig sein muss.

Die Terminmarktdaten für Palladium hatten sich zuletzt wieder verschlechtert.

Zum Jahresanfang hatten wir einen perfekten Long-Trade und kauften bei 1.850 US-Dollar, als der Palladiumpreis im Rahmen des Ukraine-Krieges aus seinem Abwärtstrend ausbrach, nachdem sich bereits im Vorfeld Stärke durch Insiderkäufe im Markt zeigte. Der folgende Preisanstieg führte Palladium auf ein neues Allzeithoch, wo wir bei 3.100 US-Dollar alle Gewinne mitnahmen und zum Verkauf rieten. In den letzten drei Monaten bot sich jedoch kein gutes Setup mehr.

Einerseits belasten die steigenden Zinsen und die sich manifestierende Rezession den Palladiumpreis und andererseits scheint die Nachfrage noch stark genug zu sein, damit der Markt wieder in ein Defizit rutschen kann, wenn auch nur vorübergehend.

Nachdem wir drei Monate auf der Seitenlinie standen und auf eine bessere Chance für einen neuen Trade warteten, hatte sich ein Setup aufgebaut, das wir für neuerliche Käufe genutzt haben. Die Ausbeute aus diesem Trade ist jedoch gering und wir wurden bereits zweimal ausgestoppt. Wie wir haben auch andere Spekulanten zwischen 1.800 US-Dollar und 1.900 US-Dollar gekauft und auf einen stärkeren Preisanstieg gehofft.

Es zeigte sich jedoch, dass die spekulativen Käufe am Terminmarkt gegen ein Überangebot am physischen Markt positioniert wurden und der Preis unter hoher Volatilität eher trendlos seitwärts lief. Es gibt aktuell keine gute langfristige Chance am Palladiummarkt, da steigende Zinsen die rezessiven Kräfte in der Wirtschaft wecken und die Umstellung auf Elektrofahrzeuge die Nachfrage ebenso mindert, was letztlich den Preis belasten dürfte.

Sollte eine Rezession offiziell ausgerufen und medial thematisiert werden, so wäre ein nochmaliger schneller und deutlicher Einbruch des Palladiumpreises möglich, ebenso wie in jeder Rezession davor. Auch ein plötzlicher Anstieg des Rohölpreises könnte die Rezessionssorgen verstärken und Palladium jederzeit auf Talfahrt schicken. Deshalb bleibt es wichtig nach einem kurzfristigen Kaufsignal schnell einen Stop-Loss zu platzieren. Palladium bleibt ein Markt für kurz- bis mittelfristig agierende Trader, wobei es aktuell kein gutes Setup mit einem hohen Chance-Risiko-Verhältnis und hoher Wahrscheinlichkeit auf Erfolg gibt. Seitdem wir im März diesen Markt verlassen haben, bot sich nur einmal eine halbwegs gute Chance. Es ist wahrscheinlich, dass Palladium weiterhin trendlos seitwärts handeln wird und womöglich mit einer Rezession weiter fallen wird. Womöglich gibt es in einigen Monaten wieder eine gute Chance für einen Trade, doch aktuell sehen wir dies nicht. Als langfristiges Investment würde ich Palladium erst zu einem tieferen Preis empfehlen, doch nicht jetzt.

Palladium handelt trendlos seitwärts unter hoher Volatilität und bietet im Moment wenig.

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GoldGeldWelt Gastautor

Markus Blaschzok, Dipl.-Betriebswirt (FH), CFTe, ist Autor eines bekannten Finanzmarktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Gold und Rohstoffe sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler und Investoren. Seit 2015 ist er zudem Chefanalyst bei der GoldSilberShop.de GmbH. Der frühe Verfechter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, der bereits 2007 seine Diplomarbeit über diese ökonomische Denkrichtung schrieb, verfolgt einen ganzheitlichen Analyseansatz.

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