Ist vergangene Performance wirklich wichtig?

Rückspiegel-Syndrom

- 01.12.2021

„In der Wirtschaft ist der Blick in den Rückspiegel immer klarer, als der Blick durch die Windschutzscheibe“, so Super-Investor Warren Buffett. Trotzdem wäre es fatal, Anlageentscheidungen aufgrund des Blicks in den Rückspiegel zu treffen. Während in der Verkehrswelt ja auch kein Mensch auf die Idee käme, sein Fahrzeug allein durch den Blick in den Rückspiegel ans Ziel zu manövrieren, ist dieses Verhalten in der Finanzwelt an der Tagesordnung. Regelmäßig mit fatalen Folgen:

So standen zum Beispiel die 80er Jahre ganz im Zeichen japanischer Aktien. Nirgends lief die Börse so gut, wie im Land der aufgehenden Sonne, wo sich die Kurse in nur 10 Jahren fast versechsfachten. Ende der Dekade waren Japan-Aktien folglich weltweit unter Anlegern der Renner. Der Blick in den Rückspiegel auf die tolle Kursentwicklung war für viele ein schlagendes Argument für die Überlegenheit japanischer Unternehmen. Und auch wenn der Blick durch die Windschutzscheibe, sprich in die Zukunft, für japanische Aktien alles andere als klar war, gingen Anleger davon aus, dass die Überlegenheit japanischer Aktien andauern würde. Bekanntlich kam es anders: Japan-Aktien beendeten ihren Höhenflug Ende 1989. Auch heute, nach über 30 Jahren, stehen sie noch 20% niedriger als zum damaligen Höhepunkt ihrer Beliebtheit. Das Steuern ihrer Depots durch den Blick in den Rückspiegel bescherte Japan-Anlegern somit einen Crash. Und doch blieben Anleger dieser Strategie bis heute treu:

Ende der 90er Jahre waren es europäische Aktien, die beim Blick in den Rückspiegel auf ein überlegenes Jahrzehnt mit mehr als einer Kurs-Verfünffachung glänzen konnten und Anleger in Scharen anlockten. Dummerweise galt auch hier, dass Anlageentscheidungen durch Blick in den Rückspiegel nun einmal nicht dazu geeignet sind, ein Depot erfolgreich in die Zukunft zu steuern: Nach erreichen des Höhepunktes der Begeisterung für Europa-Aktien um die Jahrtausendwende gingen diese in einen jahrelangen Niedergang über und liegen auch heute, gemessen am Euro-Stoxx 50, noch rund 25% unter ihren alten Höchstständen. Gleiches wiederholte sich in den folgenden 2000er Jahren mit sogenannten BRIC- bzw. Schwellenländer-Aktien.

Und heute? Wer derzeit den Blick in den Rückspiegel wirft, stellt fest: In den letzten 10 Jahren haben US-Aktien alles andere in den Schatten gestellt und sich glatt vervierfacht. So sehr es uns im IAC freut, dass wir an dieser Entwicklung mit unseren US-Qualitätsaktien rund um Apple, Facebook, Microsoft und Co. in den vergangenen 10 Jahren gut profitiert haben, so sehr gilt es jedoch, nicht zu vergessen, dass es sich hierbei um den Blick in den Rückspiegel handelt. Im IAC haben wir unseren US-Anteil daher trotz zunehmender Beliebtheit von US-Aktien in den letzten 10 Jahren konstant gehalten und sogar leicht reduziert. Von damals über 50% auf heute nur noch rund 40%.

Die meisten Anleger und Fonds sind hingegen erst in den letzten Jahren verstärkt auf den bereits fahrenden Zug der US-Börse aufgesprungen. Viele Fonds-Anleger vermutlich sogar, ohne es zu merken. Wer weiß schon so genau, wie hoch die US-Quote in seinen Fonds ist? Selbst in internationalen Indizes wie dem MSCI-World oder dem DJ Global Titans ist der US-Anteil seit 2010 von knapp über 40% auf aktuell bis zu 82% gestiegen. Viele Anleger könnten daher in den kommenden 10 Jahren das bevorstehen, was Anleger in den Dekaden zuvor in Japan-, Europa- und BRIC-Aktien schmerzhaft lernen mussten: Dass sich ein Portfolio nicht durch Blick in den Rückspiegel erfolgreich in die Zukunft steuern lässt.

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GoldGeldWelt Gastautor

ist Geschäftsführer der TOP Vermögensverwaltung und des Itzehoer Aktien Clubs (IAC). Sein Spezialgebiet sind internationale Qualitätsaktien. Durch jahrzehntelange Erfahrung als institutioneller und privater Investor hat Jörg Wiechmann eine herausragende Kapitalmarktexpertise aufgebaut, die er in seinem IAC Monatsbericht und auf GoldGeldWelt regelmäßig teilt.

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