Schwacher Dollar schiebt Gold erneut auf 2.000 US-Dollar

- 23.11.2023

Im Umfeld eines schwächeren US-Dollars, stieg der Goldpreis in der letzten Woche wieder an den Widerstand bei 2.000 US-Dollar an. Der USD-Index fiel mittlerweile von einem Hoch bei 107 auf 103 Punkte, was das vor einem Monat gesteckte Korrekturziel für die vorherige Rallye des US-Dollar war. Dieser dürfte sich auf diesem Niveau nun jedoch stabilisieren, sodass es von dieser Seite keinen weiteren Rückenwind für den Goldpreis mehr geben dürfte. Sollte der US-Dollar in den nächsten Wochen und Monaten wieder anziehen, würde dies sogar Gegenwind für den Goldpreis bedeuten.

Diametral gegensätzlich zum US-Dollar erholte sich der Euro auf 1,095 US-Dollar, womit wir nach unserer Gewinnmitnahme bei 1,05 US-Dollar gerechnet haben. Deshalb fiel der Goldpreis in Euro wieder zurück auf die Unterstützung bei 1.800 Euro je Feinunze, während dieser vor drei Wochen noch ein Allzeithoch bei 1.900 Euro erreicht hatte. Diametral gegensätzlich dürfte der Euro seine Erholung größtenteils hinter sich haben aktuell. Dieser Rückgang des Goldpreises zeigt, dass die Furcht vor einer Eskalation des Nahost-Konflikts weiter abnimmt und die Risikoprämie sukzessive ausgepreist wird. Der Goldpreis war im Oktober um 200 US-Dollar angestiegen, nachdem der Krieg ausgebrochen war und die Märkte eine Ausweitung des Konflikts auf weitere Staaten fürchteten.

Ein schwächerer US-Dollar half dem Goldpreis in der letzten Woche unter die Arme.

Die US-Inflationszahlen der letzten Woche, auf die die Märkte besonders geachtet hatten, lagen sowohl bei den Gesamt- als auch bei den Kerndaten unter den Erwartungen. Der CPI stieg zum Vorjahr um 3,2 % an, während die Erwartung bei 3,3 % lag. Zum Vormonat waren dieser sogar unverändert, während ein Anstieg von 0,1 % erwartet wurde. Im September waren die Preise noch um 0,4 % angestiegen.

Ein ähnliches Bild ergab sich bei der Kernrate ex Energie und Lebensmittel, die im Oktober mit 0,2 % unter dem Marktkonsens von 0,3 % lag und unter dem Anstieg von 0,3 % im September. Die Jahresrate fiel von 4,1 % auf 4,0 % auf den niedrigsten Stand seit September 2021.

Die sinkenden Inflationsraten, die eine erneute Zinsanhebung unwahrscheinlicher machen, waren der primäre Grund für die Dollarschwäche und den erneuten Anstieg des Goldpreises in der letzten Woche.

Die deflationären Tendenzen nehmen unterdessen weiter zu, während die Volkswirtschaften in eine Rezession abgleiten, weshalb ein weiterer Rückgang der Inflationsrate zu erwarten ist. Der Rückgang der Kreditgeldmenge wird letztlich auch den Goldpreis negativ beeinflussen, bis die Notenbanken zur Rettung eilen und erneut Geld aus dem Nichts drucken werden.

Die Geldmenge in Euroland schrumpft weiter. Diese Deflation wirkt dämpfend auf die Marktpreise.

Auch in den USA schrumpft die Geldmenge seit anderthalb Jahren kontinuierlich.

Angesichts der deflationären Tendenzen dürfte sich der Goldpreis in nächster Zeit bestenfalls weiter seitwärts in einer Handelsspanne zwischen 1.800 US-Dollar und 2.000 US-Dollar bewegen, es sei denn, es kommt zu einer Eskalation der geopolitischen Krisenherde oder zu einem Eingreifen der US-Notenbank als Reaktion auf eine Rezession in den nächsten Quartalen. Es bleibt die Befürchtung, dass die Notenbanken diesmal erst spät in einer Rezession reagieren werden und die Deflation für anhaltenden Verkaufsdruck an den Märkten sorgen wird.

Ab 2024 werden die gestiegenen Zinsen erhebliche Auswirkungen auf die Höhe der Zinszahlungen auf US-Staatsschulden haben. Dies in Kombination mit einer Rezession und massiven Kreditausfällen wird die US-Notenbank wahrscheinlich einknicken lassen. Neue QE-Programme wären die Folge, was den US-Dollar abwerten und den Goldpreis stark befeuern würde. Eine ausgeprägte Stagflation wäre die Folge, in der Gold, Silber und Goldminenaktien die großen Gewinner sein dürften.

Technische Analyse zu Platin: Technische Erholung nun möglich

Terminmarkt: CoT-Report

Der CoT-Report wird immer freitags seitens der US-Terminmarktaufsicht (CFTC) veröffentlicht, wobei der Stichtag der Datenerhebung der Schlusskurs vom Dienstag ist. Die COT-Daten werden also immer mit einer Verzögerung von drei Tagen veröffentlicht. Premium Abonnenten von Blaschzok Research erhalten vor Handelsschluss am Freitag ein Blitzupdate mit Analysen zu Gold, Silber und Platin. Die CoT-Daten ermöglichen einen Blick in die Zukunft, da sie einerseits ein Sentiment-Indikator sind und andererseits eine gute Einschätzung des Angebots und der Nachfrage am physischen Markt ermöglichen. Mit ihnen hat man einen Vorteil im Trading am Rohstoffmarkt.

CoT-Daten für Platin vom 17. November:

Der Preis fiel zur Vorwoche gerade einmal um 8 US-Dollar, doch gingen die Spekulanten dabei mit 10 Tsd. Kontrakten Short. In der letzten Woche sahen wir eine deutliche Stärke, womöglich als Reaktion auf die schwachen Inflationszahlen aus den USA. Der CoT-Index OI sprang dabei von 68 auf 89 Punkte an, was gut ist. Der Platinmarkt ist jetzt schon deutlich überverkauft und eine technische Gegenbewegung wäre denkbar. Charttechnische Kaufsignale dürfen daher für Trader angenommen werden. Angesichts einer aufziehenden Rezession sollte man keine mittelfristig ausgerichteten Swing-Positionen aufbauen - auch da Gold und Silber nicht im Kaufbereich sind. Das Setup ist nicht so gut, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint.

Mit einem CoT-Index von 89 Punkten ist Platin nun überverkauft und spekulativ getriebene Anstiege können jederzeit erfolgen. Technische Kaufsignale darf man annehmen.

Technische Chartanalyse – kurzfristiger Ausblick

Das fundamentale Umfeld lässt aktuell wenig Fantasie für einen nachhaltigen Preisanstieg, da eine weiche Landung der Wirtschaft nach dem starken Zinsanstieg unwahrscheinlich ist. In jeder Rezession brach die industrielle Nachfrage nach Platin ein und mit ihr der Platinpreis. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass es diesmal anders sein könnte, insbesondere bei einem deflationären Schock.

Daher gibt es mehr Risiken als Chancen und wer kein kurzfristig agierender Trader ist, sollte abwarten und auf der Seitenlinie stehen, bis eine Rezession eingepreist ist.

Der Terminmarkt ist überverkauft und lässt zumindest Tradern eine Chance auf einen kurzfristigen Long-Trade. Gibt es im kurzfristigen Trading ein charttechnisches Kaufsignal, dann darf man dieses kurzfristig bei diesen guten CoT-Daten annehmen. Sollte der Abwärtstrend über 940 US-Dollar überwunden werden, dann wäre dies ein Kaufsignal mit dem Ziel am nächsten Widerstand bei 1.000 US-Dollar. Man sollte jedoch schnell einen Stop-Loss platzieren, denn wenn die Rezession zuschlägt, wäre ein schneller und starker Abverkauf denkbar.

Im Falle einer Rezession mit einer Verkaufspanik an den Märkten, wäre es möglich, dass die Tiefs aus dem Crash in 2020 noch einmal angelaufen würden, was man als perfekte langfristige Kaufchance sehen sollte. 550 US-Dollar je Feinunze wären dann kurzzeitig denkbar.

Platin läuft aktuell seitwärts, während der Terminmarkt kurzfristig überverkauft ist. 

Langfristige Analyse

Mittel- bis langfristig hat Platin weiterhin ein Problem, da mehr als die Hälfte der jährlichen Minenproduktion in der Automobilindustrie zur Herstellung von Katalysatoren Verwendung findet. Die Rezession wird in den nächsten Jahren im Umfeld steigender Zinsen an Fahrt aufnehmen, sowie die hohen Zinsen die Leasing- sowie Finanzierungsmodelle für Neuwagen auf die Probe stellen. Mit einem starken Rückgang der Neuwagenverkäufe und entsprechenden Gewinnrückgängen für die Automobilhersteller ist zu rechnen. Dazu kommt, dass mit der Umstellung auf Elektrofahrzeuge der Bedarf an Katalysatoren abnimmt, was ein langfristig belastender Faktor sein dürfte.

Dennoch dürfte sich im Bereich zwischen 800 US-Dollar und 1.000 US-Dollar ein langfristiger Boden ausbilden. Wir empfehlen Rücksetzer in den Bereich um die 800 US-Dollar als mittel- bis langfristige Kaufchance zu nutzen. Auch kurzfristig agierende Trader haben dort grundsätzlich ein Setup mit einem guten Chance-Risiko-Verhältnis.

Man muss sich jedoch bewusst sein, dass der Platin- und Palladiumpreis während Rezessionen in der Vergangenheit kurzzeitig auch immer stark einbrach, weshalb eine Stop-Loss-Order der beste Freund kurzfristig agierender Trader ist. Ein panikartiger Einbruch auf nochmals 500 US-Dollar wäre in einer Rezession oder einer neuen Krise mit einer Verkaufspanik an den Märkten durchaus denkbar.

Die einzige Hoffnung für eine Stärke des Platinpreises wäre ein signifikanter Rückgang des Angebots aufgrund einer zunehmenden Stromknappheit in Südafrika, sowie einer politischen Krise in dem zunehmend instabilen Land. Dies lässt sich jedoch, anders als die kommende Rezession, schwer prognostizieren. Das Angebot kann deutlich zurückgehen, doch muss das nicht passieren. Die kommende Rezession ist hingegen sicher.

Sollte sich der Konflikt im Nahen Osten auf Nachbarländer ausweiten, dann wären neue QE-Programme vorzeitig denkbar, wovon der gesamte Edelmetallsektor und somit auch der Platinpreis profitieren würden.

Sobald die Notenbanken mit neuen QE-Programmen auf die bevorstehende weltweite Rezession oder alternativ schon früher auf einen exogenen Faktor hin reagieren werden, bieten sich enorme Chancen für die Bullen. Sollten die Notenbanken aufgrund exogener Ereignisse jedoch vor der offenen Manifestation einer Rezession agieren, worauf der Bail Out von SVB und der Credit Suisse zu Jahresbeginn hindeuten, so würde ein Preiseinbruch verhindert werden. Wichtig ist, dass man zum Bullen mutiert, sobald die Notenbanken auch nur neue QE-Programme in Erwägung ziehen. Andererseits sollte man vorsichtig sein im Vorfeld der aufkommenden Rezession.

Wie in der Vergangenheit ist bei einer Rezession ein nochmaliger starker Preiseinbruch möglich, es sei denn, es gibt davor schon ein neues QE-Programm.

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GoldGeldWelt Gastautor

Markus Blaschzok, Dipl.-Betriebswirt (FH), CFTe, ist Autor eines bekannten Finanzmarktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Gold und Rohstoffe sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler und Investoren. Seit 2015 ist er zudem Chefanalyst bei der GoldSilberShop.de GmbH. Der frühe Verfechter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, der bereits 2007 seine Diplomarbeit über diese ökonomische Denkrichtung schrieb, verfolgt einen ganzheitlichen Analyseansatz..

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