Steigenden Zinsen drücken die Aktienmärkte nach unten

US-Wirtschaft schrumpft – Stagflation wird offensichtlich

Markus Blaschzok - 04.05.2022

Die US-Wirtschaft schrumpfte im ersten Quartal 2022 annualisiert um 1,4 %. Steigende Zinsen und das schlechteste Jahr für den US-Anleihenmarkt in der Geschichte, bei gleichzeitig historisch stark steigenden Konsumentenpreisen, sind die Ursache für schrumpfende Gewinne der heillos überschuldeten Unternehmen, die Probleme mit ihrer Refinanzierung bekommen werden. Vom Höhenflug der Wachstumsaktien direkt in den Bankrott – so wird der künftige Weg vieler Unternehmen an der Nasdaq in den nächsten Jahren aussehen, wenn die Zinsen erst einmal richtig durch die Decke gegangen sind. Angesichts der historisch hohen Preissteigerungsrate in den USA müssten die Zinsen längst bei 13 % und nicht bei 3 % stehen, während die Nasdaq bei nur einem Bruchteil der 12.855 Punkte notieren dürfte, mit dem die Technologieaktien ins Wochenende gingen.

Es überrascht uns, dass andere Experten, Notenbanker und Marktteilnehmer von dem Rückgang der US-Wirtschaftsleistung überrascht sind. Seit mehr als drei Jahren erklären wir, warum es nicht anders kommen kann und zwingend kommen muss, unabhängig von Corona oder dem Krieg in der Ukraine. Das Ende eines historisch einmaligen Kreditzyklus mit künstlich niedrigen Zinsen, wird die Fehlallokationen in der Weltwirtschaft in einem deflationären Sturm hinwegfegen, auf den die Notenbanken jedoch seit März 2020 präventiv wieder mit dem Drucken von Geld reagieren, was eine Rezession in eine Stagflation wandelt. Die Regierungen der Welt haben sich für den inflationären, anstatt den deflationären Weg entschieden, weshalb die Fiat-Währungen abwerten müssen und der Goldpreis diametral gegensätzlich ansteigen muss.

Der Weg ist seit langer Zeit klar vorgezeichnet, von uns prognostiziert und all die Meldungen und Ereignisse seither sind nur Rauschen und zwingend logische Ereignisse, die nur jene überraschen, die die Ursache von Aufschwung (Boom) und Rezession (Bust), sowie die Politik dahinter nicht verstehen. Ich empfehle das Studium der Konjunkturtheorie von Friedrich August von Hayek, für die er 1974 den Nobelpreis erhielt, um solche Zyklen zu verstehen und besser von ihnen profitieren zu können.

Die steigenden Zinsen drücken die Aktienmärkte nach unten.

Obwohl die Notenbanken die Verursacher der Inflation sind und all ihre Prognosen der Vergangenheit grundsätzlich falsch lagen und die FED nicht in der Lage war, 2018 die Geldmenge wieder zu reduzieren, glaubt man nun, die FED würde diesmal ihre Bilanz reduzieren, während sie gleichzeitig die Zinsen anhebt, weshalb einige Gold aktuell verkaufen. Die Wahrheit am Ende des Tages wird jedoch sein, dass die Notenbanken zurückrudern und mehr Geld drucken müssen, um den Zinsanstieg, der weitergehen wird, zumindest auszubremsen, weshalb der Goldpreis stark steigen wird.

Der Goldpreis fiel daher am Freitag unter die wichtige Unterstützung bei 1.900 US-Dollar, während sich der Goldpreis in Euro aufgrund des schwachen Euros seit Wochen stärker halten kann. Der Silberpreis fiel auf 22,74 US-Dollar und testet damit wieder einmal die Unterstützung bei 22 US-Dollar. Entgegen dem Geschrei in den sozialen Medien von jenen, die den Preisrückgang beim Silber nicht kommen sahen, liegt die Ursache nicht in einer Manipulation des Preises, sondern vielmehr in einem Überangebot am physischen Markt, das sich seit 10 Monaten deutlich zeigt. Da die Terminmarktdaten für Silber extrem überkauft sind und Schwäche zeigen, wird der erneute Test der Unterseite der nun mehrjährigen Handelsspanne zur Bewährungsprobe. Ein Unterschreiten dieser letzten Unterstützung könnte einen finalen Sell Off auslösen, der Silber noch einmal deutlich unter Druck bringen kann, da es genügend Spekulanten am Terminmarkt gibt, die auf der falschen Seite des Marktes stehen. Die Gefahr scheint aktuell sehr groß und die Wahrscheinlichkeit relativ hoch zu sein.

Der Euro bricht ein, während der Dollar steigt, was den Goldpreis in US-Dollar kurzzeitig drückt.

Die Goldminen, die historisch günstig zum Goldpreis und zur Geldmenge sind, wurden in der vergangenen Handelswoche ebenfalls wieder abgestraft, wobei der HUI-Goldminenindex auf 282 Punkte fiel, während dieser vor Kurzem noch bei 332 Punkten sein Hoch fand. Im schlimmsten Fall sahen wir einen Rücksetzer auf 250 – 230 Punkte, da hier der Index über ein Jahr hinweg konsolidierte.

Angesichts des hohen Goldpreises und der hohen Inflationsrate von 8,4 % und einer Kerninflationsrate von 5,2 % verwundert es, dass die Minenaktien des HUI noch immer 60 % unter dem Hoch von 2011 notieren. Je offensichtlicher jedoch die Stagflation wird und der Goldpreis wieder steigt, desto mehr Investoren werden in die Gold- und Silberminen investieren, weshalb ein neuer historischer Anstieg dieses Sektors nur eine Frage der Zeit ist. Spätestens dann, wenn der Aktien- und Anleihenmarkt aufgrund der Zinsanhebungen eingebrochen sind und Panik herrscht, worauf die Notenbanken mit neuen QE-Programmen reagieren, werden die Minenaktien explosionsartig ansteigen. Es ist gut möglich, dass dieses Ereignis noch in diesem Jahr eintreten wird. Den Goldpreis sehen wir kurzfristig im schlimmsten Fall auf 1.800 US-Dollar korrigieren, während Silber noch mehr Korrekturpotenzial besitzt, bevor steigende Investmentnachfrage den Preis wieder nach oben schieben wird. Man sollte daher jetzt auf der Lauer liegen Rücksetzer bei Gold, Silber und insbesondere die Minenaktien als Chance sehen und diese für Käufe nutzen.

Technische Analyse zu Platin: CoT-Daten im Kaufbereich

Terminmarkt: CoT-Report vom 29.04.2022

Zur Vorwoche brach der Platinpreis noch einmal deutlich um 79 US-Dollar ein, wobei sich die Daten um fast 10 Tsd. Kontrakte bereinigten. Fast alle Spekulanten glauben nun, dass der Preis fallen wird und sind dementsprechend short positioniert. Zusätzlicher Verkaufsdruck aus dieser Gruppe kann kaum mehr aufkommen, wobei es jetzt ein großes Potenzial für einen Short-Squeeze gibt, wenn der Preis nicht fällt oder sogar ansteigt, da die fundamentale physische Nachfrage wieder zunimmt.

Die einfache Darstellung zeigt, dass der Terminmarkt zuletzt 2018 so überverkauft war.

Der zyklische CoT-Index ist bereits im Kaufbereich – Angst vor einem starken Long-Drop muss man jetzt nicht mehr haben.

Platin hat wieder die Unterstützung bei 900 US-Dollar erreicht, wo Käufer die Hand aufhielten. Der Platinmarkt war über viele Monate hinweg schwach bis neutral, weshalb der Platinpreis ohne den Goldpreis nirgendwo hingehen wird. Sollte Gold eine Gegenbewegung nach oben starten, dann wäre das Setup für einen antizyklischen Kauf im Bereich um die Unterstützung bei 900 US-Dollar mit dem Ziel bei 1.000 US-Dollar perfekt.

Sollte der Goldpreis hingegen weiter bis auf 1.800 US-Dollar fallen, dann würde fehlende Nachfrage wahrscheinlich den Preis noch einmal bis in den Bereich von 800 US-Dollar fallen lassen. Dort gäbe es dann ein sehr gutes Setup für kurz-, mittel- und langfristige Käufe!

Platin testet zum dritten Mal die Unterstützung bei 900 US-Dollar.

Langfristige Analyse

Ende 2020 hatten wir mit einem Preisanstieg über den Widerstand bei 1.000 US-Dollar ein Kaufsignal bis 1.350 US-Dollar gegeben und gingen von einer anschließenden Korrektur auf 1.000 US-Dollar aus. Das war nur ein grobes Szenario, das wir aus der fundamentalen Schwäche am Platinmarkt abgeleitet hatten, doch exakt so eintraf.

Seither kämpfen Bullen und Bären um die Unterstützung bei 1.000 US-Dollar je Feinunze. Langfristig dürfte sich im Bereich zwischen 800 US-Dollar und 1.000 US-Dollar ein langfristiger Boden ausbilden. Wir empfehlen Rücksetzer in den Bereich um die 800 US-Dollar als mittel- bis langfristige Kaufchance zu nutzen. Auch kurzfristig agierende Trader haben dort grundsätzlich ein Setup mit einem guten Chance-Risiko-Verhältnis. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass Platin und Palladium während Rezessionen kurzzeitig auch stark einbrechen können, weshalb ein Stop-Loss der beste Freund kurzfristig agierender Trader ist.

Langfristig zeigt der Chart eine Trendumkehr und ein Ende der langfristigen Abwärtstrends.

Das Platin-Palladium-Ratio zeigt, dass Platin in den vergangenen 50 Jahren immer teurer war als Palladium, mit Ausnahme der Jahrtausendwende und aktuell seit 2017. Die Feinunze Palladium wird im Moment historisch einmalig 85 % über dem Preis von Platin gehandelt.

Wir sehen in den letzten Jahren in der Industrie eine fortschreitende Substituierung von Palladium durch das günstigere Platin. Solange Palladium teurer ist, sollte auch die Substitution weiter fortschreiten und letztlich auch zu steigenden Platinpreisen führen. Diese Transformation ist ein langsamer Prozess und man schätzt, dass jährlich etwa 1,5 Millionen Unzen Palladium in der Industrie durch Platin ersetzt werden.

Langfristig ist es konsequent logisch und wahrscheinlich, dass die Substitution in der Zukunft zu einem Überangebot bei Palladium und einem Defizit bei Platin führen wird. Das Ratio würde dann wieder ansteigen, wobei Platin das Palladium massiv outperformen dürfte. Würde das Ratio nur zu seinem Durchschnitt der letzten 50 Jahre bei 3 zurückkehren, entspräche dies einer sechsmal besseren Performance von Platin zu Palladium in der Zukunft.

Will man ein langfristig ausgerichtetes Edelmetalldepot auf Sicht von mindestens einer Dekade aufpeppen, so wäre Platin eine Spekulation wert, da es nicht nur in Katalysatoren Anwendung findet, sondern in vielen weiteren Industrien und insbesondere in erneuerbaren Energien, wogegen Palladium nur in Katalysatoren für Benzinmotoren genutzt wird. Da Platin auch zu Gold und Silber historisch günstig ist, wäre es denkbar, dass Platin sogar die monetären Edelmetalle in den kommenden zehn Jahren outperformen könnte. Kurzfristig hat Platin noch mit einem Überangebot zu kämpfen, doch auf Sicht einer Dekade scheint das Risiko begrenzt und die Gewinnchance sehr hoch zu sein, weshalb wir Rücksetzer weiterhin zum Aufbau einer neuen langfristigen Position nutzen werden.

Platin ist aktuell so günstig zu Palladium wie noch nie zuvor.

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Markus Blaschzok GoldGeldWelt Gastautor

Markus Blaschzok, Dipl.-Betriebswirt (FH), CFTe, ist Autor eines bekannten Finanzmarktkommentars mit dem Schwerpunkt auf Gold und Rohstoffe sowie eines Premium-Informationsdienstes für Händler und Investoren. Seit 2015 ist er zudem Chefanalyst bei der GoldSilberShop.de GmbH. Der frühe Verfechter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, der bereits 2007 seine Diplomarbeit über diese ökonomische Denkrichtung schrieb, verfolgt einen ganzheitlichen Analyseansatz.

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