Börsengang nicht um jeden Preis

Ampere IPO: Stark genug im Ringen mit Tesla und China?

GoldGeldWelt Redaktion - 17.11.2023

Renault hält am geplanten Ampere IPO fest, will den Börsengang aber nicht um jeden Preis durchsetzen. Die Front der Kritiker wächst: Ein schwaches Marktumfeld und intensiver Wettbewerb sprechen gegen den Gang aufs Parkett, bevor der finanzielle Turnaround erreicht ist. Nicht zuletzt könnte das Ampere IPO zur Belastung für die Renault Aktie werden.

Ampere, Renaults Elektrofahrzeug- und Softwareunternehmen, war am 1. November offiziell aus Muttergesellschaft ausgegliedert worden. Die Umsatzziele des Unternehmens sind ambitioniert. 2025 will das Unternehmen mehr als 10 Mrd. EUR erlösen.

Im laufenden Jahr sollen rund 300.000 Fahrzeuge verkauft werden. 2031 sollen es bereits 1 Mio. Fahrzeuge sein – bei dann mehr als 25 Mrd. EUR Umsatz. Die Gewinnschwelle soll 2025 erreicht werden. Ab 2030 wird eine operative Marge von 10 % angestrebt.

„Antwort auf Herausforderungen aus Ost und West“

Ampere sieht sich im Wettbewerb zu chinesischen Autoherstellern sowie Tesla – und ist optimistisch, diesen Wettbewerb zu bestehen. Luca de Meo, CEO von Renault und Ampere, sieht in dem Unternehmen „eine ehrgeizige, ganzheitliche und strukturelle Antwort der europäischen Industrie auf die Herausforderungen aus Ost und West“.

Ampere will deshalb den aktuellen Trends auf dem Markt für Elektroautos Rechnung tragen. Die Preise für E-Fahrzeuge sollen bis 2027 oder 2028 den Kosten der benzinbetriebenen Autos von Renault entsprechen. Die Kosten der Modelle der unteren Preisklasse sollen um 40 % sinken. Große Hoffnungen liegen dabei auf den beiden EV-nativen Fertigungsplattformen.

Der Börsengang ist aktuell – auch abhängig von den Marktbedingungen – für die erste Jahreshälfte 2024 geplant. Ursprünglich war das Ampere IPO bereits für die zweite Jahreshälfte 2023 vorgesehen. Im September hatte Luca de Meo eine Bewertung im Bereich von 8-10 Mrd. EUR aufgerufen. Dieser Einschätzung folgen Analysten jedoch nicht.

Ampere IPO soll 8-10 Mrd. EUR bringen – Analysten zweifeln

Die UBS etwa taxiert den Wert von Ampere auf 3-4 Mrd. EUR. Kritisiert wurde, dass „der Wendepunkt in der Finanzleistung größtenteils auf die Jahre 2025 bis 2030 ausgerichtet ist“, wodurch „die Sicht gering bleibt“. Die Analysten von Barclays sehen den Wert bei 5 Milliarden EUR, Jefferies taxiert die Spanne auf 5-7 Mrd. EUR.

Renault wird auch nach dem Börsengang eine Mehrheit an Ampere behalten. Die bestehenden Investoren Mitsubishi Motors und Nissan haben bis zu 800 Millionen EUR zugesagt, was rund 10 % der Aktien entspricht. Qualcomm Technologies denkt über Investitionen nach. Lediglich rund 20 % des Kapitals sollen an die Börse gelangen.

Es gibt durchaus kritische Stimmen zum Ampere IPO. So wird auf Risiken für die Renault Aktie verwiesen. Die Börsennotierung der Tochter könnte die Mutter unter Druck setzen, wie es auch im Fall von Volkswagen nach dem Teilbörsengang von Porsche der Fall war. Außerdem, so meinen Kritiker, gibt es Alternativen zu Kapitalbeschaffung. So könnte Renault den 48-prozentigen Anteil an Nissan verkaufen, der aktuell rund 4,5 Milliarden EUR wert ist.

Verkauf von Nissan-Anteil als Alternative zu Ampere-IPO

Um jeden Preis wird es allerdings nicht zum Ampere  IPO kommen. Finanzchef Thierry Pieton betonte, Renault werde Ampere „nicht verschenken“. Auch de Meo stellte klar, dass bei einer absehbar zu niedrigen Bewertung vom Börsengang abgesehen werde – man sei „doch nicht verrückt“. Das Marktumfeld ist schwierig, weil die Nachfrage nach E-Autos schwächelt und die Konkurrenz ausgesprochen groß ist.

Renault kündigte am Mittwoch die Einführung eines neuen EV Twingo „Legend“ für weniger als 20.000 EUR als Reaktion auf die zunehmende Konkurrenz durch Tesla und billigere chinesische Modelle an. Doch auch hier sind Analysten skeptisch. Von der UBS etwa heißt es, man brauche mehr greifbare Beweise dafür, dass Modelle in diesem Preissegment erfolgreich und profitabel sein könnten.

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