Mehr als 7 Millionen Eigenheime betroffen

EU Zwangssanierung für Häuser: Ende des Eigenheims?

GoldGeldWelt Redaktion - 17.03.2023

Die Altersvorsorge von Millionen Bürgern wird vernichtet, eine Immobilienkrise in ländlichen Regionen ausgelöst und der Neubau gänzlich abgewürgt. Die EU Zwangssanierung für Häuser stößt auf harsche Kritik.

Das EU-Parlament hat am Dienstag den Entwurf zu Gebäudeenergieeffizienzrichtlinien verabschiedetet. Nun müssen die zuständigen Minister - in Deutschland Wirtschaftsminister Robert Habeck – und die EU-Kommission weiterverhandeln.

EU Häuser Zwangssanierung: „Kosten in sechsstelliger Höhe“

Der Eigentümerverband Haus & Grund übte scharfe Kritik. Verbandschef Kai Warnecke rechnete vor: „In den kommenden zehn Jahren müssen etwa ein Drittel aller Wohngebäude in Deutschland energetisch deutlich verbessert werden.“  

Die EU Zwangssanierung für Häuser betreffe dabei vor allem die Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern, von denen viele finanziell überfordert sein könnten. Selbst bei „vorsichtigen Schätzungen“ sei bei älteren Gebäuden mit Kosten „in sechsstelliger Höhe“ zu rechnen. „Die Altersvorsorge von Millionen Bürgerinnen und Bürger wurde vernichtet“, kritisierte Warnecke.

Warnecke fürchtet zudem einen Zusammenbruch des ohnehin durch die Zinswende und ausufernde Baukosten schwachen Neubaus. Die Richtlinie zur Häuser Zwangssanierung will vorschreiben, dass alle ab 2028 errichteten Gebäude sogenannte Null-Emissions-Gebäude sein müssen.

Diese Gebäude müssen nicht nur eine hohe Energieeffizienz, sondern auch eine klimaneutrale Energieversorgung vorweisen können.  „Das wird dem Neubau den nächsten Rückschlag geben und viele Träume von den eigenen vier Wänden platzen lassen“, glaubt Warnecke.

Bisherige Milliarden für energetische Sanierung ein Boomerang?

Der Hintergrund: Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, jedes einzelne Gebäude klimaneutral zu gestalten. Der Beschluss des Parlaments zu Häuser Zwangssanierung sieht nun vor, dass alle Gebäude in Europa bis zum Jahr 2033 mindestens die Energieeffizienzklasse D erreichen sollen. Bis 2030 muss die Kasse E erreicht werden.

Die im Hinblick auf die Energieeffizienz 15 % schlechtesten Gebäude jedes Landes sollen als Klasse G eingestuft werden. Die EU-Kommission rechnet für die Renovierung von der Stufe G auf die Stufe F mit etwa 30 Millionen betroffenen Gebäudeeinheiten.

Pikant: Die Energieeffizienzklasse orientiert sich nicht direkt am Energieausstoß pro Quadratmeter und auch nicht am gesamteuropäischen Zustand der Gebäude. Vielmehr orientieren sich die Einstufung und damit auch der Sanierungsbedarf am Gebäudezustand der einzelnen Mitgliedstaaten. Länder, die in den vergangenen Jahren bereits viel Geld für energetische Sanierung ausgegeben haben – darunter allen voran Deutschland – sind bei der Häuser Zwangssanierung nun nicht im Vorteil.

Laut Haus & Grund könnten in Deutschland mehr als 7 Millionen Eigenheime betroffen sein – jedenfalls nach vorläufigen Schätzungen. Die EU-Kommission rechnet mit 6-8 Mio. Immobilien. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) rechnet mit Umbaukosten in Höhe von 254 Milliarden EUR (bezogen allein auf Deutschland). Kosten bis hin zu 100.000 EUR pro Wohneinheit stehen offenbar im Raum.

Kritik kommt auch aus der Opposition im EU-Parlament. Der CDU-Europaabgeordnete Markus Pieper etwa warnte vor einer Immobilienkrise in ländlichen Regionen. Der baupolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Daniel Föst, sieht in der EU Zwangssanierung für Häuser den falschen Weg. „Die Menschen wissen nicht, wie sie das bezahlen sollen, es fehlt an Handwerkern und Material.“

EU Zwangssanierung für Häuser: Sind alte Immobilien bald nichts mehr wert

Warnecke sieht allen voran für Besitzer älterer Immobilien das Risiko eines großen Wertverlusts. Schließlich preisen Käufer die zukünftigen Renovierungskosten in ihre Kalkulation mit ein. Die Preise auf dem Immobilienmarkt geraten – vor allem bei Bauten aus dem Bestand – bereits jetzt durch die steigenden Zinsen unter Druck.

Dabei müssen viele Eigentümer in der Zukunft bereits hohe Geldbeträge für den Austausch ihrer Heizungen aufwenden. In der vergangenen Woche war ein Referentenentwurf aus dem Wirtschaftsministerium und dem Bauministerium öffentlich geworden. Demnach sollen bereits ab 2024 neue Gas- und Ölheizungen verboten werden.

Auch für bestehende Öl- und Gasheizungen wird es eng. Ist eine Heizung mehr als 30 Jahre alt, soll sie den Plänen zufolge nicht mehr weiter genutzt werden dürfen. 2045 sollen zudem alle Heizungen mit fossilen Brennstoffen verboten werden. Selbst wenn eine Heizung irreparabel kaputt geht, dürfen Ersatzanlagen mit Öl und Gas nur übergangsweise für bis zu drei Jahre (im Einzelfall bis zu fünf Jahre) betrieben werden.

Klar ist trotz aller Kritik an der Häuser Zwangssanierung aber auch: Die von der Politik ausgerufenen CO2 Reduktionsziele lassen sich ohne verringerte Emissionen im Gebäudebereich kaum erreichen. Die EU-Kommission geht davon aus, dass rund 40 % des Energieverbrauchs und ein Drittel der CO2-Emissionen innerhalb der EU auf diesen Sektor entfallen.

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