FinTech

Robo Advisor nutzlos, Neobroker vor dem Aus

GoldGeldWelt Redaktion - 07.07.2023

Das Geschäftsmodell von Neobrokern wird durch das absehbare Verbot von PFOF stillgelegt. Und Robo Advisor erweisen sich einer neuen Studie zufolge als weitgehend nutzlos.

Die Entscheidung dürfte in den Chefetagen von Neobrokern wie Scalable und Trade Republic Entsetzen ausgelöst haben: Das nicht ganz unumstrittene Geschäftsmodell Payment-for-Order-Flow (PFOF) steht vor dem Aus.

Der Europäische Rat informierte in der vergangenen Woche über eine Einigung mit dem EU-Parlament über Änderungen der Vorschriften im Wertpapierhandel. Das Verbot von PFOF gehört zu diesen Änderungen – und dürfte fast allen Beobachtern zufolge ohne nennenswerte Änderungen in Kraft treten.

Geschäftsmodell der Neobroker vor dem Aus: Pro und Contra

Auch wenn den Mitgliedstaaten die Möglichkeit zu einer dreijährigen Übergangsfrist eingeräumt wird, steht das Geschäftsmodell von Trade Republic, Scalabe Broker und weiteren Anbietern damit perspektivisch vor dem Aus.

Payment-for-Order-Flow bedeutet, dass ein Broker die Orders seiner Kunden an bestimmte Handelsplätze weiterleitet und dafür von diesen eine Provision erhält. Das Geschäftsmodell ist umstritten, weil Broker als Dienstleister eigentlich verpflichtet sind, Orders ausschließlich im besten Interesse der Kunden auszuführen und gerade nicht ihre eigene Provision in den Vordergrund zu stellen.

Doch die Neobroker konnten auf dem deutschen Markt große Erfolge erzielen. Bei den Anbietern können Kunden zu ausgesprochen niedrigen Orderentgelten handeln – häufig liegen die Gebühren bei 1 EUR oder sogar darunter.

BaFin und Finanztest sehen Vorteile durch PFOF

In dieser Hinsicht wird oft vorgetragen, dass die Weiterleitung an kleinere Handelsplätze mit geringerer Liquidität - etwa gettex, Quotrix, Tradegate oder L&S Exchange – mit schlechteren Kursen für die Kunden einherginge. Die Stiftung Warentest konnte dies jedoch in einer Untersuchung nicht bestätigen.

Auch die Finanzaufsichtsbehörde BaFin steht PFOF nicht vollständig ablehnend gegenüber. Die BaFin war mit einer Studie über die Auswirkungen des Modells beauftragt worden. Im Mai 2022 wurden die Ergebnisse veröffentlicht. Die Behörde stellte fest, dass das Modell vor allem bei Kundenaufträgen mit kleineren Volumina überwiegend Vorteile bietet.

Gegner des Geschäftsmodells verweisen auf latente Interessenkonflikte, die bei einem weiteren Zuwachs der Marktanteile der Anbieter problematisch werden könnten.

Gewinner des Verbots sind die großen Börsenplätzen wie Deutsche Börse und EURONEXT, Verlierer neben den Neobrokern auch die kleineren Handelsplätze. Stille Verlierer dürften auch Depotbanken sein, mit denen die Neobroker zusammenarbeiten. Ganz vorn steht hier die Baader Bank, die Konten und Depots für Scalable und Finanzen.net Zero sowie demnächst auch Smartbroker führt.

Die Broker dürften auch weiterhin am Markt aktiv sein, müssen aber ein neues Geschäftsmodell entwickeln.

Robo Advisor: Nutzen durch starke Abhängigkeit von ETFs begrenzt

Einen Rückschlag müssen auch RoboAdvisor hinnehmen – wenn auch nicht auf regulatorischer Ebene. Eine Studie des FinTechs Evergreen stellt infrage, ob die durch Algorithmen erstellten Portfolios überhaupt einen Mehrwert liefern. Dies berichtet unter anderem die „Börsen-Zeitung“. Insgesamt, so die Studie, ist „der Mehrwert der Portfolios hinsichtlich der Risikofaktoren im Vergleich zu einem einfachen marktbreiten Index (…) überschaubar“.

Das ist für RoboAdvisor problematisch, da der Vermögensverwaltungsvertrag höhere Gebühren rechtfertigen soll. Die jährlichen Servicegebühren - die zusätzlich zu den Verwaltungskosten in den Portfolios enthaltenen ETFs erhoben werden – reichen einschlägigen Vergleichsportalen zufolge von 0,35-1,4 % pro Jahr. Inklusive der ETF Kosten liegen die Gesamtkosten damit auf dem Niveau klassischer aktiv verwalteter Investmentfonds kurz nach der Jahrtausendwende.

Die Studie von Evergreen dürfte kurzfristig nicht dazu führen, dass sich Anleger von RoboAdvisor Modellen abwenden. Mittel- und langfristig könnte aber auch diesen Geschäftsmodell stärkerer Gegenwind drohen.

Für die deutsche FinTech Branche insgesamt sind diese Entwicklungen ein Rückschlag. Einige der betroffenen Unternehmen wie Trade Republic gehören zu den größten FinTechs des Landes.

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