Elektromobilität

Vollgas fürs Depot mit EV-Aktien wie Tesla, Nio, Xpeng, BYD, Ford, GM, BMW, VW, Daimler, Lucid, Rivian und Co.?

GoldGeldWelt Redaktion - 02.02.2022

Gemessen am Börsenwert ist Tesla mittlerweile der wertvollste Autobauer der Welt. Dabei profitiert das Unternehmen von einem Markt, der in den letzten Jahren ein exponentielles Wachstum erlebt hat und in den kommenden Jahren noch weiter florieren soll. Die Unternehmensberatung MarketsandMarkets geht davon aus, dass die Anzahl verkaufter Elektroneuwagen von 4,093 Millionen im Jahr 2021 auf 34,756 Millionen im Jahr 2030 anwachsen wird. Daraus resultiert eine jährliche Wachstumsrate von 26,8%. Chancen für Anleger entstehen dabei vor allem in China, den USA und Deutschland.  

Wachstumsmotor China

Die einstige Nation der Fahrradfahrer ist mittlerweile der größte Absatzmarkt der Elektromobilität. Laut einer Studie des Center of Automotive Management (CAM) wurden dort allein im ersten Quartal 2021 408.000 vollelektrische Fahrzeuge zugelassen. Zum Vergleich: Deutschland, international der zweitgrößte Einzelmarkt, kam im selben Zeitraum lediglich auf 64.964 Neuzulassungen. Die chinesische Erfolgsgeschichte ist der starken Förderung der E-Mobilität durch die Regierung geschuldet, die vielen Start-ups ein schnelles Wachstum ermöglichte.

Nio (WKN: A2N4PB ISIN: US62914V1061)

Nio entwickelt, verkauft und produziert intelligente und vernetzte E-Fahrzeuge sowie eigene Ladelösungen für Zuhause. Zudem bietet das Unternehmen mit PowerSwap noch einen innovativen Batterietauschservice an. Im Jahr 2021 konnte Nio 91429 Fahrzeuge ausliefern, was einer Steigerung von 109,1 Prozent gegenüber 2020 entspricht. 2022 dürfte sich das Wachstum fortsetzen zumal gleich zwei neue Modelle das Fahrzeugsortiment erweitern sollen.

Xpeng (WKN: A2QBX7 ISIN: US98422D1054)

Das junge Unternehmen stellte erst im Dezember 2018 mit dem SUV Xpeng G3 sein erstes Serienmodell vor. 2019 folgte die Limousine P7 und 2021 wurden mit dem P5 und dem G9 gleich zwei weitere Fahrzeuge vorgestellt. Zukünftig will das Unternehmen auf dem europäischen Markt aktiver werden, wo in Norwegen bereits seit Dezember 2020 der P7 verkauft wird. Neben Fahrzeugen präsentierte das Unternehmen im Juli 2021 mit der Voyager X2 auch ein elektrisch angetriebenes Fluggerät, das senkrecht starten und landen kann einer breiten Öffentlichkeit. Damit stellt sich das Unternehmen auch für den Zukunftsmarkt der Lufttaxis auf.

BYD (WKN: A0M4W9 ISIN: CNE100000296)

Das Unternehmen ist einer der größten Automobilproduzenten Chinas und im Bereich der Elektrofahrzeuge auch durch Trucks, Sattelzugmaschinen, Gelenkbusse und Doppeldeckerbusse vertreten. Mit BYD SkyRail betreibt das Unternehmen zudem ein fahrerloses hochmodernes Monorail-System in Brasilien und Kalifornien. Fünf weitere Standorte sind bereits in Planung. Mit Projekten für den öffentlichen Nahverkehr durch Busse in den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich und Schweden ist das Unternehmen auch in Europa tätig. Zudem verkauft es seine Elektroautos auch in Norwegen.

E-Mobilität in Amerika

In Amerika ist Tesla der unangefochtene Branchenprimus in dessen Schatten einige Start-ups versuchen sich einen Namen zu machen. Zudem sind auch die Traditionsunternehmen GM und Ford dabei einen Kurswechsel zu vollziehen.

Tesla (WKN: A1CX3T ISIN: US88160R1014)

Das Musk-Unternehmen gilt als Vorreiter der Branche. Neben Fahrzeugen wie der beliebten Limousine Model 3 oder dem Geländewagen Model Y, bietet das Unternehmen auch eigene Lösungen zum Aufladen seiner Fahrzeuge. Allein im Jahr 2021 stieg die Tesla-Aktie um etwa 40%. Anleger benötigen allerdings starke Nerven, denn das Wertpapier gilt als besonders volatil, nicht zuletzt auch wegen der Tweets seines Gründers. Mit seinem Unternehmen SpaceX katapultierte Elon Musk bereits erfolgreich einen Tesla ins All. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass es für den Autohersteller keine Grenzen gibt.

Lucid (WKN: A3CVXG ISIN: US5494981039)

2007 noch unter dem Namen Atieva gegründet lag der ursprüngliche Fokus des Unternehmens auf der Entwicklung von Batterien für Elektrofahrzeuge anderer Hersteller. Seit 2014 begann man dann mit der Entwicklung eines eigenen E-Autos und spätestens seit der Umfirmierung 2016 und der Vorstellung von Plänen zur Serienproduktion steht die neue Marschrichtung fest. Lucid positioniert sich bewusst im Luxussegment der Branche. Das erste Serienfahrzeug des Unternehmens ist die Limousine Lucid Air, nach eigenen Angaben das am schnellsten ladende und am weitesten fahrende Luxuselektroauto der Welt. Bisher sind Lucid-Fahrzeuge lediglich in Nordamerika erhältlich, aber noch 2022 will man in den europäischen und asiatischen Markt vordringen. 2023 soll mit dem Lucid Gravity zudem ein SUV die Fahrzeugpalette erweitern.

Rivian (WKN: A3C47B ISIN: US76954A1034)

Beim Rivian verkauft man nicht bloß Fahrzeuge, sondern Abenteuer. So bezeichnet das Unternehmen selbst seine beiden seit September 2021 in Serie produzierten Fahrzeuge – ein Pick-Up und ein SUV –als Electric Adventure Vehicles. Passend dazu findet man im Zubehör beispielsweise ein Zelt, welches auf die Ladefläche des Pick-ups zugeschnitten ist. Zudem gibt es im Pick-up einen integrierten Hohlraum unter der Ladefläche mit einer ausziehbaren Rampe und Stromanschlüssen. Bisher lässt sich auf dieser Rampe kinderleicht eine spezielle Camping-Küche installieren, weitere Anwendungen sollen folgen. Abgerundet wird das Markenerlebnis durch einen Hub in Venice, Kalifornien. Dabei handelt es sich um einen Event-Raum, an dem verschiedene Workshops zu den Themen Umwelt und Abenteuer angeboten werden. Zukünftig will das Unternehmen neben weiteren Hubs auch sogenannte Outposts an abenteuerlichen Orten eröffnen und mit Reservaten weite Landstriche schützen.

Fisker (WKN: A2P9A3 ISIN: US33813J1060)

Das in Südkalifornien beheimatete Unternehmen stellte am 17. November 2021 auf der Autoshow in Los Angeles mit dem Fisker Ocean sein erstes für die Serienproduktion geplantes Fahrzeug vor. Die Produktion des SUVs soll genau ein Jahr später in einer CO2-neutralen Fabrik im österreichischen Graz aufgenommen werden. Eine auffällige Besonderheit des Fahrzeugs ist das Solarzellendach, welches in sonnigen Regionen wie Kalifornien kostenfrei eine zusätzliche Reichweite von 1500 Meilen (ca. 2414 Kilometer) pro Jahr generieren soll. Der Fisker Ocean soll neue Maßstäbe in puncto Nachhaltigkeit setzen. Polster, Teppiche und Details des umweltfreundlichen Innenraums bestehen daher aus recyceltem Plastik, wiederverwertetem Gummi, Altkleidern und zurückgelassenen Fischernetzen aus den Weltmeeren.

General Motors (WKN: A1C9CM ISIN: US37045V1008)

Das Traditionsunternehmen aus Detroit bekannte sich am 28. Januar 2021 zu einer rein elektrischen und CO2-neutralen Zukunft. Ab 2035 sollen ausschließlich Elektrofahrzeuge vom Band rollen, bis 2040 soll auch die komplette Produktion ohne CO2-Emission auskommen. Im Dezember ließ das Unternehmen mit dem GMC Hummer EV ein Kultauto als Elektroversion wiederauferstehen. Zudem führte das Unternehmen mit BrightDrop eine neue Unternehmensmarke ein. BrightDrop fungiert als kompletter Lösungsanbieter für die Logistik von der ersten bis zur letzten Meile. Entsprechend gehören neben elektrischen Transportfahrzeugen auch E-Paletten sowie eine Cloud-basierte Software zu den Lösungen. Einer der ersten Kunden des neuen Dienstes ist das Logistikschwergewicht FedEx.

Ford (WKN: 502391 ISIN: US3453708600)

Im Gegensatz zu GM hat der traditionsreiche amerikanische Autohersteller Ford bisher nur für Europa ein Aus für Verbrennungsmotoren bekannt gegeben. 2030 soll auf dem alten Kontinent endgültig Schluss sein. In Amerika will man offensichtlich die Freunde eines satten Motorensounds nicht völlig vergrätzen und hält für unbestimmte Zeit an den Verbrennern fest. Dennoch stehen auch jenseits des Atlantiks die Zeichen auf Strom. Mit Blue Oval betreibt das Unternehmen dort ein Ladesäulennetzwerk von über 19.500 Stationen und damit das größte in ganz Amerika. Seit Dezember 2020 produziert Ford mit dem Mustang Mach-E sein ersten vollelektrisches Serienfahrzeug. Mit dem F-150 Lightning und dem E-Transit sollen dieses Jahr zwei weitere Modelle folgen.  

Deutsche Traditionsbetriebe

Hierzulande setzte man in puncto Umweltfreundlichkeit lange auf eine fortschreitende Optimierung herkömmlicher Methoden und wusste sich irgendwann nur noch durch arglistige Täuschung mittels veränderter Messsoftware zu helfen. Mehr oder minder zu Umdenken gezwungen haben mittlerweile auch die deutschen Autobauer ihre Strategien durchaus ambitioniert geändert.

Volkswagen (WKN: 766400 ISIN: DE0007664005)

„Der ‚Way to Zero‘ ist unser Fahrplan für effektiven Klimaschutz, mit klaren, ambitionierten Meilensteinen“, formulierte Volkswagen-CEO Ralf Brandstätter am 21. April 2021 die neue Ausrichtung seines Konzerns. Bis spätestens 2050 will das Unternehmen bilanziell klimaneutral sein. Hierzu sollen die CO2-Emissionen pro Fahrzeug in Europa bis 2030 um 40 Prozent sinken. Mit dem ID.3 ID.4 und dem ausschließlich in China vermarkteten ID.6 besteht die Elektroflotte der Wolfsburger aktuell aus drei Modellen. Ab April 2022 soll der ID.5 die Lücke füllen. Zudem erlebt mit dem ID.Buzz der kultige Bulli ab März 2022 seine Elektroreinkarnation.

BMW (WKN: 519000 ISIN: DE0005190003)

Auf der Jahreskonferenz 2021 der BMW Group stellte der Vorstandsvorsitzende der BMW AG Oliver Zipse die Roadmap für die nächsten Jahre vor. 2023 bezeichnete er dabei als Schlüsseljahr, denn dann soll es 13 vollelektrische BMW-Modelle auf den Straßen geben, wobei nahezu alle Segmente vom Kompaktwagen bis zur Luxusklasse bedient werden. Zudem soll die Marke Mini ab 2030 ausschließlich vollelektrisch sein. Auch für Rolls-Royce wurde ein vollelektrisches Angebot angekündigt, allerdings noch ohne genaue Jahresangabe. Das BMW bis 2030 nicht komplett auf E-Mobilität umschwenkt, begründete Zipse mit der globalen Präsenz des Automobilherstellers: „Es ist unrealistisch, dass sich in jedem Land zum selben Zeitpunkt dieselben Technologien durchsetzen. Von daher ist es auch betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll, trotz Nachfrage kein Angebot bereit zu halten, etwa weil für einige Technologien keine ausreichende Infrastruktur existiert.“

Mercedes-Benz (Daimler) (WKN: 710000 ISIN: DE0007100000)

Ambition 2039 heißt die Nachhaltigkeitsoffensive bei Mercedes-Benz, die darauf ausgerichtet ist bereits 2039 komplett CO2-neutral zu werden. Noch dieses Jahr will Mercedes-Benz in allen Segmenten, in denen die Marke vertreten ist, batterieelektrische Fahrzeuge anbieten. Bereits 2025 werden dann alle neuen Fahrzeug-Architekturen elektrisch sein. „Die Elektromobilität gewinnt an Fahrt – vor allem im Luxus-Segment, wo Mercedes-Benz zuhause ist. Der Wendepunkt rückt näher, und wir werden bereit sein, wenn die Märkte bis zum Ende des Jahrzehnts vollständig auf Elektroautos umstellen“, sagte Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und der Mercedes-Benz AG im Juli 2021.

Ob die Märkte tatsächlich so schnell vollständig umschwenken, darf zwar bezweifelt werden, doch einige Staaten planen bereits das Ende für Benzin und Diesel. Vorreiter dabei ist Norwegen, wo bereits 2025 keine klassischen Verbrenner mehr als Neuwagen verkauft werden sollen. Ironischerweise könnten diese Pläne ausgerechnet am EU-Recht scheitern, obwohl die Europäische Kommission selbst mit dem neuen Klima-Plan „Fit for 55“ ab 2035 Verbrenner verbieten will.

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