Vorbereitet in die Krise

Warum Aktien weiter steigen und schließlich crashen werden (Teil 1/2)

GoldGeldWelt Redaktion - 13.10.2016

Manche Analysten beschreiben den Aktienmarkt heute schon als überhitzt. Dieser zweiteilige Marktkommentar beschreibt, warum ich einen deutlichen Anstieg der allgemeinen Aktienmärkte in den nächsten Monaten, möglicherweise sogar Jahren kommen sehe... Bis schließlich ein schwarzer Schwan unser zunehmend fragiles Finanzsystem kalt erwischen und die nächste große Krise einleiten wird.

Teil 1/2

Kaufe die Panik, verkaufe die Gier

Es gibt zahlreiche verschiedene Indikatoren dafür, ob ein Markt überhitzt ist oder nicht. Ein möglicher Indikator ist das Marktsentiment, also der Grad an Optimismus und Pessimismus im Markt. Mein Lieblingsindex aus diesem Segment ist der Fear and Greed Index, der zwar auf Grundlage des amerikanischen S&P 500 Index berechnet wird, neben klassischen Werten wie der Put-Call-Ratio aber noch weitere Faktoren einschließt. Das ist Ihnen zu abstrakt? Kein Problem, denn die regelmäßigen kurzfristigen Sentimentschwankungen sind allenfalls für Trader interessant und verwertbar. Interessant für mittel- und langfristige Anleger sind größere Trends.

Der berühmte Investor und Spekulant Jim Rogers drückte es in einem Interview einmal etwa so aus: Wenn sein Friseur anfängt mit ihm über Geldanlagen zu sprechen und ihm heiße Tipps gibt, ist das ein Warnsignal, dass der Markt gefährlich heiß ist. Das bedeutet, wenn alle euphorisch sind, sollte man antizyklisch eher über Verkauf nachdenken, während die beste Zeit zum Kauf (über alle Anlageklassen hinweg) oft mit großer Angst und Pessimismus im Markt einhergehen. Sentiment ist ein Kontraindikator.

Der große Crash wird kommen

Ich kann Jim Rogers nicht erwähnen ohne darauf hinzuweisen, dass er einer von zunehmend vielen Finanzexperten ist, die ausdrücklich vor dem größten Finanzcrash aller Zeiten warnen. Als Ursache des kommenden Übels sieht Rogers die starke weltweite Überschuldung und die massiven Finanzmarktinterventionen von Zentralbanken. Rogers warnt nicht nur auf CNN vor dem totalen Kontrollverlust der Zentralbanken, er ist in den letzten Jahren vor allem in östlichen Medien wie dem englischsprachigen russischen Sender Russia Today (RT) oder z. B. bei Chinas größtem Fernsehsender China Central Television (CCTV) ein regelmäßig interviewter Gast.

"You Should Be Very Worried, You Should Be Prepared." - Jim Rogers 2016

https://www.youtube.com/watch?v=JTWmh4ZTSZo

Aus fundamentaler Sicht gebe ich Rogers und anderen "Crashpropheten" absolut recht. Die Zentralbanken haben längst die Kontrolle verloren und spielen nur noch auf Systemerhalt unter der Devise "Whatever it takes" (Zitat EZB-Chef Mario Draghi), egal welche langfristigen Folgen daraus resultieren. Es ist ein Spiel auf Zeit und irgendwann wird das Kartenhaus unseres gesamten, auf Fiatwährungen (nur durch Vertrauen gedeckt) basierenden Wirtschaftssystems unweigerlich zusammenbrechen.

Viele kluge Crashpropheten machen meiner Meinung nach jedoch einen Fehler, den seit der endgültigen Entkopplung unseres Geldes von realen Werten im Jahr 1972, viele bereits zuvor gemacht haben: Sie verwechseln unvermeidbar mit unmittelbar.

Unsicherheit und Schwarze Schwäne

Es ist sehr wichtig zu begreifen, dass die bedeutendsten sozialen, politischen und wirtschaftlichen Umbrüche der Vergangenheit nicht durch Ereignisse verursacht wurden, die allgemein vorhergesehen wurden, sondern durch sogenannte Schwarze Schwäne. In seinem Buch "Der Schwarze Schwan: Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse" erörtert Dr. Nassim Nicholas Taleb genauestens das Thema Unsicherheit und moniert wiederholt, dass die allermeisten Ökonomen Schwarze Schwäne in ihren Modellen entweder vollkommen ignorieren, da sie unvorhersehbar sind und sich nicht quantitativ darstellen lassen - oder Ökonomen versuchen, Schwarze Schwäne mit der Gaußschen Normalverteilung darzustellen, was aufgrund der extremen, nicht-linearen Folgen solcher Ereignisse fahrlässig und methodisch falsch ist.

Die meisten Ökonomen und Teilnehmer der Finanzmärkte unterschätzen meines Erachtens absolut die Fragilität unseres Finanz- und Wirtschaftssystems. Die meisten Goldbugs und Crashpropheten jedoch überschätzen die Wahrscheinlichkeit, dass unser von politischen Zentralplanern und Notenbankern unter der Devise "Whatever it takes" aufrechterhaltenes Wirtschaftssystem zeitnah zusammenbricht.

Viele meiner Kollegen aus der Edelmetallszene lassen sich dazu hinreißen, den nächsten Crash zeitlich genau voraussagen zu wollen. Ich selbst gehe davon aus, dass auf Grundlage der fundamentalen Wahrheiten zur Fragilität unseres globalen Wirtschafts- und Finanzsystems, ein starker, unvorhergesehener Trigger (ein Schwarzer Schwan) den großen oder zumindest den nächsten mittelgroßen (2008-ähnlichen) Crash schließlich auslösen wird.

In den Medien hochgekochte Themen wie der BREXIT oder der jüngste Absturz der Deutschen Bank lassen mich relativ ruhig schlafen. Größere Sorgen sollten wir uns um das Unbekannte (und in den Medien vernachlässigte) machen. Erst wenn ein unvorhergesehenes Großereignis die Zentralbanken wirklich überrumpelt und politisch nicht durchsetzungsfähige "Rettungsmaßnahmen" mit Steuergeldern notwendig wären, sehe ich das Kartenhaus zusammenfallen. Können wir als Anleger den großen Crash also zuverlässig timen? Meine Antwort ist nein.

Absicherung mit Edelmetallen ist ein Muss

Die eigentlich wichtige Frage ist, welche Konsequenzen wir aus dieser Unsicherheit ziehen. Ich rate jedem Leser dieses zweiteiligen Artikels ganz klar zu einer, wenn auch prozentual bescheidenen Absicherung mit physischen Edelmetallen gegen wirtschaftliche worst-case Szenarien. Kaufen Sie physische Edelmetalle nicht als Geldanlage im klassischen Sinne, sondern als Versicherung (hier geht es zum Gold und Silber Preisvergleich). Kleinanleger können Silber- und Goldmünzen praktisch und anonym im Tafelgeschäft von Edelmetallhändlern kaufen. Wer mehr Kapital zur Verfügung hat, kann darauf achten, seine Edelmetalle näher am Spotpreis einzukaufen und sofort günstig und außerhalb des Bankensektors einlagern zu lassen (z. B. via BullionVault).

Bevor ich auf Börsencrashs, schwarze Schwäne und Edelmetalle eingegangen bin, habe ich über Sentiment gesprochen, einen möglichen Kontraindikator für die Bewertung von Aktienmärkten. Sentiment kann zwar sehr interessante Hinweise liefern, sollte jedoch niemals alleinige Entscheidungsgrundlage sein.

Die zwei wichtigsten Gründe für weiter steigende Aktienkurse (kleiner Tipp: Erfolgreiche Unternehmensperformance gehört nicht dazu)

Lesen Sie ergänzend auch den Artikel:

Sind Aktien 2017 überbewertet? Ein Blick auf das KGV

Bis dahin wünsche ich Ihnen weiter fallende Gold- und Silberpreise für tolle Einstiegschancen bei Edelmetallen und Bergbauunternehmen.

Hier gelangen Sie zum zweiten Teil:

Warum Aktien weiter steigen und schließlich crashen werden (Teil 2/2)

Weitere relevante Beiträge zu diesen Themen finden Sie unter  CrashFinanzkriseAktienmärkteSchwarzer SchwanJim RogersMario DraghiS&P 500  und  Notenbanken .

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